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Deutsche „Weltkriegsforscher“ übergangen

Ablehnende Haltungen kommen von HistorikerInnen, RegionalwissenschaftlerInnen und sonstigen „ExpertInnen“, die sich zwar bislang um die Rolle der Dritten Welt im Zweiten Weltkrieg kaum geschert haben, es jedoch offenbar als anmaßend empfinden, von JournalistInnen an das erinnert zu werden, was sie selbst über mehr als sechs Jahrzehnte ignoriert haben. 

So lamentierte z.B. ein „Weltkriegsforscher“ von der Universität Köln nach der Vernissage im Kölner NS-Dokumentationszentrum lautstark darüber, dass Recherche International „keine deutschen Professoren“ zu Rate gezogen hätte,  obwohl er selbst z.B. in seinen Forschungen bis dahin nie über den europäischen Tellerrand hinaus geschaut hatte und in der Eröffnungsrede zur Ausstellung ausdrücklich begründet worden war, dass die Projektbetreiber bewusst mit HistorikerInnen aus Afrika, Asien und Ozeanien zusammen gearbeitet haben, um der gängigen eurozentrischen Geschichtsschreibung endlich eine globale Perspektive auf den Zweiten Weltkrieg entgegenzusetzen.

 

Freiburger Professoren kooperieren lieber mit der Bundeswehrhochschule als mit Internationalisten

Professoren der Freiburger Universität erwiesen sich als derart selbstgefällig und unkooperativ, dass das Informationszentrum Dritte Welt (iz3w) die Ausstellung dort nicht – wie ursprünglich geplant – im Foyer der Hochschule zeigen konnte, sondern nur in einer kleineren Fassung – und ohne Beteiligung der Universität – in den Räumen des Kommunalen Kinos und des französischen Kulturinstituts. 

Freiburger Uni-Professoren veranstalteten derweil eine eigene Vortragsreihe über „Die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg“, über die Recherche International nicht einmal informiert wurde. 

Weitaus weniger Berührungsängste hatten die Freiburger Historiker zu den Veranstaltern und TeilnehmerInnen einer Tagung der Bundeswehrhochschule Helmut Schmidt in Hamburg mit dem Titel „Der Zweite Weltkrieg als Globaler Konflikt“. Dabei trafen sich im Oktober 2010 all diejenigen, denen Recherche International in Bezug auf Nazikollaborateure aus der Dritten Welt Verharmlosungen, Relativierungen und Geschichtsklitterungen nachgewiesen hatte. (Nachzulesen in dem Themenschwerpunkt der Zeitschrift iz3w Nr. 312 von Mai 2009: hier)

 

People of Color ignoriert?
Antworten von Recherche international e.V. auf die Polemiken
von Fatima El-Tayeb und Damani J. Partridge

Anfang 2020 erhielt recherche international e.V. Hinweise darauf, dass zwei „wissenschaftliche“ Publikationen aus den Jahren 2016 und 2012 jeweils ein Kapitel über den Zensurkonflikt um die Premiere der Ausstellung „Die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg“ im September 2009 in Berlin enthalten. Die erste stammt von der deutschen Ethnologin Fatima El-Tayeb, die zweite von dem US-amerikanischen Anthropologen Damani J. Partridge.
Beide übernehmen in ihren Polemiken gegen das Forschungsprojekt von recherche international e.V. ungeprüft die Position der Leiterin der Werkstatt der Kulturen in Berlin, Philippa Ebéné, die damals per Hausrecht zu verhindern suchte, dass Ausstellungstafeln über arabische Nazi-Kollaborateure in der von ihr geleiteten städtischen Einrichtung ausgehängt wurden. Um die Ausstellung unzensiert in Berlin zeigen zu können, musste recherche international deshalb die Ausstellungspremiere kurzfristig in die Uferhallen im Wedding verlegen.

Noch Jahre später verteidigen El-Tayeb und Partridge die Zensurmaßnahme der Werkstatt-Leiterin Philippa Ebéné und bezichtigen recherche international, Positionen von People of Color „ausgegrenzt“ bzw. „ignoriert“ zu haben. Allerdings haben El-Tayeb und Partridge nachweislich nicht seriös recherchiert, um ihre Vorwürfe zu belegen. Sie begnügen sich  mit wenigen fragwürdigen Quellen aus dem Internet. Sie ignorieren die Entstehungsgeschichte des kollektiven Forschungsprojekts zur Rolle der Dritten Welt im Zweiten Weltkrieg unter Beteiligung von HistorikerInnen und ZeitzeugInnen aus 30 Ländern und sie zitieren nicht einen Satz aus den zahlreichen Publikationen von recherche international e.V. zum Thema. Obwohl die Pamphlete der beiden „WissenschaftlerInnen“ Jahre nach dem Berliner Disput erschienen sind, verschweigen sie die Rezeption der Ausstellung in Dutzenden weiteren Städten seit 2009 sowie die Beteiligung zahlloser People of Color und Schwarzer Deutschen an Begleitveranstaltungen dazu. El-Tayeb und Partridge hätten dies auf dieser Internetseite über das Projekt leicht nachlesen können. Aber ihnen ging es offenkundig nicht um seriöse oder gar wissenschaftliche Debatten, sondern um Parteinahme. Dafür verdrehen sie auch Fakten bis sie zu ihren (Vor-) Urteilen passen. Damit denunzieren sie jedoch nicht nur die InitiatorInnen des Projekts „Die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg“, sondern auch all diejenigen, die in den letzten zwei  Jahrzehnten mit recherche international e.V. kooperiert und an Begleitveranstaltungen zur Ausstellung teilgenommen haben, darunter zahlreiche People of Color und Schwarze Deutsche.

recherche international e.V. hat sich deshalb im April 2020 entschieden, die folgenden Richtigstellungen an alle KooperationspartnerInnen des Projekts zu verschicken:

 

* DIFFAMIERUNG STATT DISKURS
Anmerkungen von recherche international e.V.
zur Polemik gegen das Projekt „Die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg“ in:
Fatima El-Tayeb: Undeutsch – Die Konstruktion des Anderen in der postmigrantischen Gesellschaft (transkript Verlag Bielefeld, 2016)

* DENUNZIEREN STATT RECHERCHIEREN
Anmerkungen von recherche international e.V.
zur Darstellung des Zensurkonflikts bei der Premiere der Ausstellung
„Die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg“ 2009 in Berlin in:
Damani J. Partridge: Hypersexuality and Headscarves – Race, Sex, and Citizenship in the New Germany (Indiana University Press 2012)

 

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