Erinnerungen an brasilianische Befreier in der Toskana

1944 landeten 25000 brasilianische Soldaten in Italien, die „Força Expedicionária Brasilieira“ (FEB), den Vormarsch der Alliierten gegen die deutschen Besatzer zu unterstützen. Doch die Einsätze und Opfer der brasilianischen Befreier waren lange Zeit fast vollständig vergessen. Ein kleines Privatmuseum in dem toskanischen Bergstädtchen Barga erinnerte bis 2025 daran.
Erinnerungen an brasilianische Befreier in der Toskana
1944 landeten 25000 brasilianische Soldaten in Neapel, die „Força Expedicionária Brasilieira“ (FEB), um den Vormarsch der Alliierten gegen die deutschen Besatzer zu unterstützen, die schließlich in den rauen Bergen der Apuanischen Alpen im Norden der Toskana ihren letzten Verteidigungswall errichteten. Die Brasilianer, die zuvor noch nie Schnee gesehen hatten, leisteten im harten Winter 1944/45 einen wesentlichen Beitrag dazu, die mit Bunkern, Schützengräben und Minen gespickte sogenannte Gotenlinie zu durchbrechen und Tausende deutsche Soldaten gefangen zu nehmen. Nach mehreren vergeblichen Anläufen und unter hohen Verlusten erstürmten sie schließlich auch Monte Castello, eine strategisch bedeutsame Stellung der Deutschen auf einer Anhöhe.
Doch die Einsätze und Opfer der brasilianischen Befreier waren in Italien lange Zeit fast vollständig vergessen bis brasilianische MigrantInnen dafür eintraten, dies zu ändern. Einer von ihnen ist der Journalist Luis De Oliveira. Seine Großeltern stammten aus Italien und emigrierten vor dem Zweiten Weltkrieg nach Brasilien. Luis De Oliveira schlug den umgekehrten Weg ein und wanderte von Brasilien nach Italien aus, um hier eine Zeitschrift für brasilianische MigrantInnen herauszugeben.

Seit 2016 lebte er in dem toskanischen Bergstädtchen Barga und baute dort ein Privatmuseum auf in Gedenken an die brasilianischen Soldaten, die auch diesen Ort von den Nazibesatzern befreiten. Seit 2025 lebt Luis de Oliveira wieder in Brasilien, und sein kleines Museum ist geschlossen. Die Bestände wurden an andere Lokalmuseen in der Region weitergegeben.


Den Weg zur „Casa Brasile“ in Barga wiesen bis 2025 große brasilianische und italienische Flaggen. An der Eingangstür hing ein Werbeplakat für eine Video-Dokumentation mit dem Titel „Brasilien – der vergessene Alliierte“, die Luis De Oliveira in italienischer Sprache produziert hatte und die er Besucher:innen gerne vorführte.
Im Innern des kleinen Museums hingen Landkarten, auf denen die Truppenbewegungen der Brasilianer in der Region eingezeichnet waren, neben historischen Schwarz-Weiß-Fotos von ihren Einsätzen, Opfern und Siegesfeiern.

Im Herbst 2020 erzählte Luis De Oliveira zwei MitarbeiterInnen von recherche international e.V. bei einem spontanen Besuch seines Museums detailreich von den Erfolgen und Verlusten der brasilianischen Truppen in Italien und er erklärte dabei auch, was es mit ihrem eigentümlichen Wappen auf sich hat. Das Abzeichen zeigt eine Schlange, die Pfeife raucht und es erinnert daran, dass der Zweite Weltkrieg den Menschen in Brasilien lange Zeit so weit entfernt erschien, dass eine weit verbreitete Redewendung lautete, eher werde eine Cobra eine Pfeife rauchen, als dass Brasilianer in diesen Krieg ziehen müssten. Aber nach Angriffen deutscher U-Boote auf brasilianische Schiffe vor der südamerikanischen Küste wurde Brasilien doch noch in diesen Welt-Krieg hineingezogen und die Cobra mit Pfeife wurde zum Wahrzeichen der brasilianischen Soldaten.

Dank des Einsatzes von historisch engagierten Menschen wie Luis De Oliveira ist das Wappen des brasilianischen Expeditions-Corps aus dem Zweiten Weltkrieg inzwischen auch an vielen anderen Stellen in der Toskana zu sehen, so z.B. in der Stadt Pistoia, in der es einen großen brasilianischen Soldatenfriedhof mit einem monumentalen Denkmal gibt, und in einigen Dörfern entlang der ehemaligen „Gotenlinie“ wie z.B. in dem Weinort Camaione, in Castelnuovo, Sassuolo und vor dem Bahnhof des Marktfleckens Borgo a Mozzano.
Zur letzten großen Ausstellungspräsentation im Frühjahr 2025 lud recherche international auch Luis de Oliveira zu einem Vortrag über «Die brasilianischen Befreier der Toskana» nach Köln ein. Auch das Dossier, das die Zeitschrift iz3w zu diesem Anlass veröffentlichte, enthält ein Interview mit dem brasilianischen Journalisten über seine Erinnerungspolitische Arbeit.


Ausführlichere Informationen über die Einsätze der Força Expedicionária Brasilieira in Italien finden sich im Lateinamerika-Kapitel des von recherche international e.V. herausgegebenen Buchs
Unsere Opfer zählen nicht
Die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg
(Berlin/Hamburg 2005), Seite 166ff.
