Das Konzept der Wanderausstellung
Das Konzept der Wanderausstellung
September 2009: Premiere in Berlin.
Bis 2026: Tournee durch mehr als 60 Ausstellungsorte in Deutschland und der Schweiz.
Finale Präsentation der großen Ausstellung 2025 in Köln.
Weitere Buchungen der kleineren Ausstellungsfassungen in A1 und A2 sind auch ab 2026 weiterhin möglich beim Forum für Umwelt und gerechte Entwicklung (FUgE) in Hamm.
Das Thema
Die inhaltlichen Grundlagen (Buch und Unterrichtsmaterialien)
Die Zielsetzung der Ausstellung
Die Gestaltung der Ausstellung
Assoziativer Einstieg
Schautafeln
Stellwände für die Präsentation der Ausstellungstafeln
10 Hörstationen
3 Video-Präsentationen
3 Roll-Leinwände
Künstlerische Beratung bei der Erstellung der Ausstellung
Ausstellungsorte und Kooperationspartner
Flexible Ausstellungsversion (z.B für Schulklassen)
Fremdsprachige Versionen der Ausstellung
Das Begleitprogramm zur Ausstellung
Das Hiphop-Tanztheater «Die vergessenen Befreier» («A nos morts»)
Lokale Ideen zum Begleitprogramm
Katalog
Der Projektträger
Eigenbeiträge der Kooperationspartner
Das Thema
Millionen Soldaten aus Afrika, Asien, Ozeanien und Lateinamerika haben im Zweiten Weltkrieg gekämpft, um die Welt vom deutschen und italienischen Faschismus sowie vom japanischen Großmachtwahn zu befreien. Allein Indien stellte 2,5 Millionen Kolonialsoldaten und China hatte mehr Opfer zu beklagen als Deutschland, Italien und Japan zusammen. Frankreich sowie Großbritannien rekrutierten auch in ihren afrikanischen Kolonien jeweils mehr als eine Million Kolonialsoldaten für Kriegseinsätze vom Maghreb über Europa bis nach Indien und Burma.
Sowohl die faschistischen Achsenmächte als auch die Alliierten rekrutierten in ihren Kolonien Hilfstruppen und Hilfsarbeiter oftmals mit Gewalt. Japanische Militärs verschleppten zudem Hunderttausende Frauen aus Asien in ihre Frontbordelle. Rekruten aus den Kolonien, ob Freiwillige oder Zwangsverpflichtete, mussten sich mit weniger Sold, schlechteren Unterkünften und geringeren Kriegsrenten als ihre «weißen Kameraden» abfinden.
Weite Teile der Dritten Welt – von der lateinamerikanischen Küste, West-, Nord- und Ostafrika über den Nahen Osten und Indien bis nach Südostasien und Ozeanien – dienten als Schlachtfelder und blieben nach Kriegsende verwüstet und vermint zurück. Bei der Befreiung der philippinischen Hauptstadt Manila von den japanischen Besatzern starben mehr Zivilisten als in Berlin, Dresden oder Köln. Aus ihren Kolonien bezogen die kriegführenden Mächte zudem Nahrungsmittel für die kämpfenden Truppen und Rohstoffe für die Rüstungsproduktion. Oft musste die einheimische Bevölkerung deshalb Hunger leiden.
Auch das NS-Regime bezog kriegswichtiges Material aus den französischen Kolonien in Afrika und Indochina, die unter der Kontrolle der Kollaborationsregierung in Vichy standen. Die Nazis wollten nach der Unterwerfung Osteuropas zudem ein Kolonialreich in Zentralafrika erobern und über Nordafrika in den Nahen Osten vorstoßen. Hunderttausende Juden in dieser Region mussten deshalb um ihr Leben fürchten. 1942 landete ein SS-Kommando in Tunesien, das die Juden in Palästina vernichten sollte und noch im chinesischen Shanghai sahen sich Zehntausende jüdische Flüchtlinge von Gestapo-Verfolgern bedroht.
In der Dritten Welt gab es allerdings nicht nur Opfer, sondern auch Kollaborateure der faschistischen Achsenmächte, die an deren Seite kämpften – von Nordafrika und Palästina über den Irak und Indien bis nach Thailand und Indonesien.
Die inhaltlichen Grundlagen (Buch und Unterrichtsmaterialien)
Die gravierenden Auswirkungen des Zweiten Weltkriegs auf die Dritte Welt kommen im hiesigen Geschichtsdiskurs sowie in der historischen Lehre an Schulen und Hochschulen bis heute kaum vor. Das vom Rheinischen JournalistInnenbüro erstellte und von recherche international e.V. im Jahre 2005 herausgegebene Buch «Unsere Opfer zählen nicht – Die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg» war die erste umfassende deutschsprachige Publikation zum Thema und stieß in den Medien und in Fachkreisen auf ein positives Echo. 24 Kritiker aus Zeitungs-, Rundfunk- und TV-Redaktionen kürten «Unsere Opfer zählen nicht» im Juli 2005 zum «Sachbuch des Monats».
Der «Badischen Zeitung» erschien das Buch ebenso «überfällig» wie dem Züricher «Tages-Anzeiger», «da es einem auf jeder Seite die Unzulänglichkeit unseres eurozentrischen Geschichtsbildes bewusst» mache.
Der Rezensent der «tageszeitung» staunte, «wie vielfältig die Dritte Welt […] in das Kriegsgeschehen verwickelt war», und ein Kritiker des Österreichischen Rundfunks bekannte, dass ihm «die vielfältigen Perspektiven dieses Buchs» erst «die Dimension des Welt-Kriegs bewusst» gemacht hätten.
Die Berliner Literaturkritik erhob es zum «Handbuch für historische und aktuelle Zeitfragen», weil es «zum Perspektivwechsel in der (europäischen und westlichen) Geschichtsbetrachtung» herausfordere und die «Frankfurter Rundschau» hoffte, dass sich nach diesem «enorm wichtigen Beitrag» andere zu weiteren Arbeiten zum Thema würden «inspirieren» lassen. Der Rezensent von «contraste» schrieb, das Buch solle «in keiner öffentlichen Bibliothek fehlen».
Die «Militärgeschichtliche Zeitschrift» sprach von einer «gelungenen Überblicksdarstellung der (Vor- und Nach-)Kriegsereignisse aus einem außereuropäischen Blickwinkel», die «jedem zur Lektüre empfohlen» sei.
Und «Überblick», die entwicklungspolitische Fachzeitschrift der evangelischen Kirche, empfahl, «für dieses spannend geschriebene Buchprojekt […] auch in Schulen und Universitäten um Leserschaft» zu werben, damit bislang Versäumtes «mehr als ein halbes Jahrhundert später nachgeholt» werde.
Die Rezensionen sind im Internet nachzulesen unter:
https://www.assoziation-a.de/buch/unsere_opfer_zaehlen_nicht/
Von der Hardcover-Version des Buchs erschienen bis 2014 vier Auflagen, die allesamt vergriffen sind. Seit Ende 2014 sind jedoch drei inhaltlich unveränderte und ungekürzte Paperback-Ausgaben des Buchs bei der Bundeszentrale für politische Bildung erschienen. (Für nur 7,50 Euro! Bestellungen unter: http://www.bpb.de/shop/buecher/schriftenreihe/197024/unsere-opfer-zaehlen-nicht)
Trotz dieser breiten Resonanz nimmt die deutsche Öffentlichkeit das Thema nur sehr zögerlich zur Kenntnis und bis in die Literatur für den Schulunterricht war es auch Jahre nach der Publikation des Buches noch kaum vorgedrungen.
Recherche international e.V. hat deshalb in Zusammenarbeit mit dem Autoren-Kollektiv des Rheinischen JournalistInnenbüros im Frühjahr 2008 Unterrichtsmaterialien zum Thema nachgelegt, deren pädagogisches und didaktisches Konzept in enger Zusammenarbeit mit Lehrern und Lehrerinnen für Geschichte und Gesellschaftslehre sowie Historikerinnen, Politik- und Erziehungswissenschaftlerinnen erarbeitet wurde. Die Materialien stießen auf ein ähnlich positives Echo wie das Buch. Die Zeitschrift der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft in Berlin z.B. empfahl sie Lehrern und Lehrerinnen «unbedingt» für den Einsatz im «historischen und politikwissenschaftlichen Unterricht». Das Nürnberger Menschenrechtszentrum bezeichnete die Materialen als «das perfekte Werkzeug, um im Geschichtsunterricht und verwandten Fächern neue Perspektiven auf eine entscheidende Epoche des 20. Jahrhunderts zu werfen». Und der Rezensent von «Entwicklungspolitik online» schrieb: «Mit dieser Unterrichtshilfe können Lehrkräfte ihren SchülerInnen ein wesentlich genaueres Bild vom Zweiten Weltkrieg vermitteln, als es herkömmliche Schulbücher tun.»
Eine zweite korrigierte und erweiterte Auflage der Unterrichtsmaterialien erschien 2012.
Bis 2026 übernahmen lediglich die Schulbuchverlage Klett und Cornelsen Fakten und Quellentexte aus den Publikationen von recherche international.
Die Zielsetzung der Ausstellung
So positiv die Resonanz auf die genannten Publikationen zum Thema auch war, so kam von Praktikern der schulischen, universitären und außerschulischen Bildungsarbeit, die es in ihre Arbeit mit einbezogen haben, doch immer wieder die Rückmeldung, dass eine Präsentation wesentlicher Aspekte dieses wichtigen historischen Kapitels in Form einer Ausstellung hilfreich und nützlich wäre.
Damit könne zum einen die noch immer zögerliche Wahrnehmung der außereuropäischen Perspektiven auf die Geschichte des Zweiten Weltkriegs stärker ins Bewusstsein der hiesigen Öffentlichkeit gerückt werden.
Zum zweiten wäre eine solche Ausstellung ein wichtiger Anstoß zur Auseinandersetzung mit dem Thema in der schulischen und außerschulischen Bildungsarbeit, zumal wenn es dazu auf die Zielgruppe von Schülerinnen und Schülern abgestimmte Begleitveranstaltungen gäbe.
Schließlich habe sich gezeigt, dass auch die Jahrestage des Kriegsbeginns in Europa (!) im September hierzulande stets eurozentristisch begangen werden.
Die Ausstellung über «Die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg» erlebte ihre Premiere deshalb bewusst im September 2009, um einen Gegenpol zur eurozentristischen Geschichtsperspektive zu setzen. Bis 2026 wurden die drei verschieden großen Versionen der Ausstellung an mehr als 60 Orten in Deutschland und in der Schweiz gezeigt.
Die Gestaltung der Ausstellung
Die Rolle der Dritten Welt im Zweiten Weltkrieg wird in der Ausstellung auf digital bedruckten Alutafeln (im A0-Format) sowie kleineren Quertafeln mit Fotos und Texten präsentiert. Die erläuternden Texte sind erforderlich, da die auf den Fotos abgebildeten historischen Ereignisse hierzulande völlig unbekannt sind.
Dazu gibt es 10 Hörstationen, die über QR-Codes genutzt werden können und 3 Video-Stationen, für die Veranstalter:innen DVD-Player und Monitore stellen müssen.
Assoziativer Einstieg: Im Eingangsbereich hängt neben dem Ausstellungstitel und dem Plakatmotiv eine Roll-Leinwand mit einer Weltkarte, auf der die Kolonialmächte und die Kolonien zu Beginn des Zweiten Weltkrieg in verschiedenen Farben abgebildet sind, versehen mit Kurzinformationen über gravierende Kriegsfolgen in der Dritten Welt. Daneben steht die Video-installation I mit dem Titel «Unsere Befreier», die Portraits von mehr als 200 Kolonialsoldaten aus Afrika, Asien, Ozeanien und Lateinamerika präsentiert.
Schautafeln: Der Hauptbestandteil der Ausstellung besteht aus 49 PVC-Tafeln sowie 60 kleineren Quertafeln. Nach dem Prolog wird in den drei ähnlich gewichteten Hauptkapiteln das Kriegsgeschehen in Afrika, Asien und Ozeanien dokumentiert, wobei pro Kontinent verschiedene inhaltliche Schwerpunkte behandelt werden (so am Beispiel Afrikas die wirtschaftlichen Kriegsfolgen, am Beispiel Asiens Themen wie Zwangsarbeit und Zwangsprostitution und am Beispiel Ozeaniens die bis heute anhaltende Militarisierung der Region durch den Krieg). Dazu gibt es regionale Tafeln zu Südamerika und der Karibik.
In zwei weiteren Abteilungen werden übergreifende Themen präsentiert wie die Judenverfolgung außerhalb Europas und die Kollaboration von Politikern aus der Dritten Welt mit den Achsenmächten. Ein kurzer Epilog, das Impressum sowie die Dokumentation des offenen Briefs von Recherche International e.V. an Schulbuch-Verlage sowie deren Antworten bilden den inhaltlichen Schlusspunkt.
Alle Ausstellungstafeln sind so konzipiert, dass sie in sich geschlossene Geschichte(n) erzählen, also nicht aufeinander aufbauen.
Auch wenn ein chronologischer Besuch der Ausstellung den besten Überblick über das Thema liefert, können BesucherInnen auch wahllos ausgewählte Ausstellungstafeln anschauen und werden doch dabei eine Vorstellung davon bekommen, wie umfassend die Dritte Welt am Zweiten Weltkrieg beteiligt war und wie groß die Verdrängung dieser Fakten bis heute ist.
Je nach Veranstaltungsort können auch lokale Aspekte ergänzend in der Ausstellung präsentiert werden. (So wurde z.B. in Luzern ein zusätzliches lokales Kapitel über algerische Spahis ausgestellt, die im Zweiten Weltkrieg in der Schweiz interniert waren.)
Die Ausstellungstafeln haben ein einheitliches Layout mit Hinweisen auf die jeweiligen regionalen bzw. thematischen Kapiteln, Überschriften zu den Inhalten der Tafeln und Karten, auf denen die jeweils benannten Schauplätze markiert sind.
Historische Fotos werden schwarz-weiß präsentiert, Portraitfotos von Zeitzeugen auf den Quertafeln vor den Hörstationen in Farbe.
Ausgewählte Zitate aus hiesigen Geschichtsbüchern, Publikationen oder TV-Dokumentationen setzen Kontrapunkte («Verdrehte Geschichte») und illustrieren, wie weitgehend die Folgen des Zweiten Weltkrieges in der Dritten Welt hierzulande bis heute ignoriert werden.
Die PVC-Tafeln in A1 und A2 sind gelocht und können mit Kunststoffleinen oder Schnüren aufgehängt werden.
10 Hörstationen: Die Erinnerungen ausgewählter ZeitzeugInnen aus Afrika, Asien und Ozeanien sind vor den Portrait-Tafeln per Handy über QR-Codes (mit deutscher Overvoice) zu hören.
3 Video-Präsentationen. Für die Videostationenmüssen Veranstalter:innen Abspielgeräte, Monitore und für Videostation III stellen.
Video I: (Titel: «Unsere Befreier») zeigt wechselnde Portraits von Kriegsteilnehmern auf Seiten der Alliierten aus allen Teilen der Dritten Welt, um das Ausmaß der Beteiligung von Kolonialsoldaten am Zweiten Weltkrieg zu dokumentieren.
Video II (Titel: «Der Freund aus den Kolonien») zeigt in der Afrika-Abteilung den deutsch untertitelten Kurzfilm «L’Ami Yabon» des algerischen Regisseurs Rachid Bouchareb aus dem Jahre 2008. Mit stilisierten Animationsbildern erzählt der Film die Geschichte eines Kolonialsoldaten von seiner Rekrutierung im Senegal über seine Kriegseinsätze in Europa und die Gefangenschaft in einem deutschen Lager bis zu seiner Rückkehr nach Westafrika, wo er – weil er mit anderen seinen Sold fordert – auf Befehl französischer Offiziere niedergemetzelt wird.
Video III (Titel: «Kriegserinnerungen aus der Nachbarschaft») präsentiert neun Interviews mit MigrantInnen aus Gambia, der Demokratischen Republik Kongo, Kamerun, dem Senegal, Uganda, Südkorea, Indien und dem Iran sowie einer Afrodeutschen über Folgen des Zweiten Weltkrieg für ihre Familien bzw. Herkunftsländer.
Die Videostation III sollte (wegen des dauerhaft laufenden Tons) nach Möglichkeit in einem gesonderten Raum oder mit Kopfhörern präsentiert werden.
3 Roll-Leinwände: Die Weltkarte mit den Kolonialmächten und Kolonien zu Beginn des Zweiten Weltkriegs markiert den Einstieg in die Ausstellung. In der Asien-Abteilung zeigt eine zweite Roll-Leinwand 44 Portraits von Frauen, die von den japanischen Militärs im Zweiten Weltkrieg in Frontbordelle verschleppt wurden. Eine dritte Roll-Leinwand kann zur Außenwerbung für die Ausstellung z.B. an der Fassade des Ausstellungsortes eingesetzt werden.
Künstlerische Beratung bei der Erstellung der Ausstellung
Neben dem Autorenkollektiv rund um das Rheinische JournalistInnenbüro, das Buch und Unterrichtsmaterialien erstellt hat, und dem Grafiker Holger Deilke, der diese Publikationen layoutet hat, war mit Bernhard Lüthi ein international bekannter Künstler und Kurator beratend an der Erstellung des Ausstellungskonzepts und seiner Umsetzung beteiligt.
Bernhard Lüthi stammt aus der Schweiz und hat seit 1966 zahlreiche Einzel- und Gruppenausstellungen präsentiert, darunter u.a. auf der documenta in Kassel und der Biennale in Venedig. In den 1980er Jahren hat er in Australien Projekte mit dem Aboriginal Arts Board realisiert und als Kurator am Museum of Contempory Art in Sydney gearbeitet. 1989 war er Mitinitiator des Symposiums «Off your High Horse – a Three-Day Trial on Cultural Eurocentrism» und Dozent an der Kunstakademie Münster. Von 1990 bis 1994 kuratierte er die Ausstellung «Aratjara – Art of the First Australians» in Düsseldorf, London und Louisiana. Von 1999 bis 2001 war er Co-Kurator der Ausstellung «Altäre der Welt» im «museum kunst palast» in Düsseldorf und von 2003 bis 2006 Initiator der ersten Retrospektive zum Werk des australischen Künstlers John Mawurndjul im Museum Tinguely in Basel und im Sprengel-Museum in Hannover. Von November 2008 bis Januar 2009 präsentierte Bernhard Lüthi in der Düsseldorfer Galerie «arte versum» eine große Einzelausstellung seiner Werke. 2010 folgte in Solothurn (Schweiz) eine Gemeinschaftsausstellung mit der Fotografin Erika Koch, die ebenfalls am Konzept der Ausstellung «Die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg» beteiligt war.
In seinen Arbeiten und Publikationen hat Bernhard Lüthi pointiert die Nicht-Präsenz außereuropäischer Kunst im europäischen Kulturbetrieb kritisiert, was ihn als künstlerischen Berater für die Ausstellung über in Europa vergessene Aspekte der Geschichte des Zweiten Weltkriegs prädestiniert hat.
Ausstellungs-Orte und Kooperationspartner
Die Eröffnung der Ausstellung am 1. September 2009 in Berlin sollte ein demonstratives Zeichen gegen die eurozentristischen Rückblicke auf die Geschichte des Zweiten Weltkriegs setzen, die zum 70. Jahrestag des Kriegsbeginns in Europa zu erwarten waren. Wie politisch brisant manche Inhalte der Ausstellung auch heute noch sind, zeigte die Notwendigkeit, ihre Präsentation kurzfristig in die Uferhallen im Wedding zu verlegen, weil die Werkstatt der Kulturen in Neukölln, wo sie ursprünglich gezeigt werden sollte, die Präsentation von Tafeln über arabische Nazikollaborateure «per Hausrecht» verhindern wollte.
Der Zensurskandal fand in den Medien weit über Berlin hinaus ein breites Echo, auf das Recherche International e.V. jedoch – der Sache wegen – gerne verzichtet hätte. Mehr dazu auf unseren Seiten zur Zensurdebatte in Berlin.
In allen weiteren Ausstellungsstädten fanden die Berliner Zensurversuche jedoch keine Nachamer:innen mehr, und die Ausstellung wurde bis 2026 in mehr als 60 Staädten ungekürzt und unzensiert gezeigt.
Flexible Ausstellungsversionen in A1 und A2 (z.B. für Schulklassen und Dritte-Welt-Zentren)
Auf Anregung der Kulturkoordination EXILE, die über ihren «Schulpool» ein weites Netz von Schulen und Bildungsinstitutionen mit Materialien, Ausstellungen und Veranstaltung zu Dritte Welt-Themen beliefert, wurden von der mit großformatigen Schautafeln gestalteten (Wander-)Ausstellung auch zwei kleinere, handlichere und leichter transportable Versionen produziert. Sie sind inhaltlich deckungsgleich zur großen Ausstellungsversion und bestehen aus bedruckten Plastiktafeln in den Formaten A1 und A2. Die kleinste Version in A2 (von der – dank einer Spende der Kölner Druckerei Block 6 – anfangs gleich zwei Fassungen zur Verfügung standen) lässt sich bequem von einer einzelnen Person in einem Rollkoffer transportieren. Auch die mittelgroße Version in A1 ist mit Verpackung (in einer Holzkiste mit Griff und Rollen) nur um die 50 Kilo schwer.
Die A1 und A2-Versionen sind für Veranstalter:innen gedacht, die nicht über ausreichend große Ausstellungsräume verfügen. Sie lassen sich flexibel z.B. in Schulen, Kulturzentren, Theaterfoyers oder Dritte-Welt-Häusern einsetzen.
Fremdsprachige Versionen der Ausstellung
Auf Initiative des ANC-Veterans Denis Goldberg erstellte recherche international auch eine englische Fassung der Ausstellung, die seit 2017 durch Südafrika tourt. Seit 2025 stehen auf dieser Webseite zudem Online-Versionen der Ausstellung in Deutsch, Englisch, Französisch und Portugiesisch zum kostenlosen Download zur Verfügung.
Begleitprogramme zur Ausstellung
Für alle potentiellen Veranstalter:innen hat recherche international e.V. umfangreiche Empfehlunglisten für mögliche ReferentInnen und Filmvorführungen zum Thema zusammengestellt, mit denen sich attraktive Begleitprogramme gestalten lassen.
(siehe Referenten, Filme, Hiphop-Tanztheater)
Das von recherche international erstellten umfangreichen Begleitprogramme für Köln (Ende 2010/Anfang 2011 und 2025) liefern darüber hinaus viele Anregungen, wie ein anspruchsvolles und spannendes Begleitprogramm zur Ausstellung aussehen kann. So wurden dort vertiefende Vorträge, Lesungen und Debatten mit internationalen Gästen, Führungen und Seminare für LehrerInnen und Jugendliche, Filmvorführungen und Konzerten geboten sowie das französische Hiphop-Tanztheater «Die vergessenen Befreier» («A Nos Morts»). Hier das Kölner Programm von 2010/2011, hier das Programm von 2025 zum Downloaden.
Das Hiphop Tanztheater «Die vergessenen Befreier» («A Nos Morts»)
Das von der «Compagnie memoires vives» (Straßburg) inszenierte Hiphop-Musical «A Nos Morts» ist eine Hommage an die vergessenen Kolonialsoldaten im Ersten und im Zweiten Weltkrieg und wurde für Begleitveranstaltungen zur Ausstellung übersetzt. Die deutsche Fassung wird mit Obertiteln auf Videoscreen präsentiert.
Öffentliche Abendveranstaltungen und Schulvorstellungen dieser spektakulären historischen Tanz-Performance sollten – soweit es die finanziellen Möglichkeiten erlauben – in möglichst vielen Orten angeboten werden, in denen die Ausstellung zu sehen ist.
Lokale Ideen zum Begleitprogramm
In den Orten, in denen die Ausstellung gezeigt wurde, gab es zahlreiche Ideen und Initiativen für lokale Begleitprogramme und -veranstaltungen dazu.
FilmInitiativ Köln hat im Rahmen der 11. Ausgabe des Afrika-Filmfestivals «Jenseits von Europa» im Herbst 2010 ein cineastisches Sonderprogramm zum Thema der Ausstellung gezeigt.
Darüber hinaus hat Recherche International e.V. in Köln Seminare zum Thema für LehrerInnen, LehramtsanwärterInnen und weitere MultiplikatorInnen angeboten.
Dozentinnen der Universität und der Pädagogischen Hochschule in Köln boten begleitende Seminare zur Ausstellung an und besuchten mit den StudentInnen im Begleitprogramm angebotene Filme und Vorträge.
Die Wuppertaler OrganisatorInnen luden zu einem Gesprächsabend mit MigrantInnen über «Kolonialismus in unseren Köpfen» ein und führten mehr als ein Dutzend Schulklassen durch die Ausstellung.
Für die Präsentation der Ausstellung in Luzern wurde ein ergänzendes Kapitel mit lokalen Bezügen erstellt, das an das Spahi-Bataillon algerischer Kolonialsoldaten erinnert, das sich im Zweiten Weltkrieg vor den Angriffen der Wehrmacht in die Schweiz geflüchtet hatte und dort in einem Lager festgehalten wurde.
In Karlsruhe präsentierten StudentInnen und SchülerInnen in gesonderten
Vitrinen Ergebnisse einer kolonialen Spurensuche in der Stadt sowie
Dokumente zum Kolonialrevisionismus in Baden in der Weimarer Republik.
Weitere Initiativen und Ideen werden sind auf dieser Internetseite in den Rubriken Orte und Termine nachzulesen.
Katalog
Anstelle eines Katalogs zu der Wander-Ausstellung sollte das Buch als weiterführende Literatur und Arbeitshilfen angeboten werden.
Weitere Materialien wie die Dossiers und ein Reader der Zeitschrift iz3w sowie Unterichtsmaterialien aus verschiedenen Städten finden sich auf dieser Internetseite.
Außenwerbung
Neben einer Vorlage für ein Plakat wurde zur Werbung vor Ort ein großformatiges, mit Fotos und dem Hinweis auf die Ausstellung bedrucktes Transparent auf LKW-Plane erstellt (400 cm breit, 120 cm hoch), das z.B. an den Außenfassaden der jeweiligen Veranstaltungsorte angebracht werden kann.
Der Projektträger
Recherche international e.V. ist ein gemeinnütziger Verein, der die Ausstellung sowie Ideen für Begleitprogramme in enger Kooperation mit den Autor:innen der Publikationen zum Thema (aus dem Rheinischen JournalistInnenbüro in Köln), dem Grafiker Holger Deilke, der sie gestaltet hat, dem künstlerischen Berater Bernhard Lüthi sowie Veranstaltern aus mehreren Orten entwickelt hat.
Eigenbeiträge der Kooperationspartner
Die Kooperationspartner des Projekts stellen bzw. mieten in ihren jeweiligen Städten passende Ausstellungsräume und tragen die Kosten für den Transport, Auf- und Abbau, mögliche Zwischenlagerungen sowie die Betreuung der Ausstellung.
Auch die Organisation der jeweiligen Begleitprogramme sowie die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit wird von den jeweiligen Initiativen und Institutionen vor Ort übernommen. Mittel für die Präsentation von Filmreihen, die Einladung von Referenten und die Präsentation des Hiphop-Musical zum Thema müssen ebenfalls von den jeweiligen Veranstaltern selbst aufgebracht werden.
