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DEUTSCHE KOLONIALGESCHICHTE

Gründer, Horst: «… da und dort ein junges Deutschland gründen».
Rassismus, Kolonien und kolonialer Gedanke vom 16. bis zum 20. Jahrhundert. 
München 1999.
Aufschlussreiche, ausführlich kommentierte Quellensammlung über „die kolonialen
Taten und Träume der Deutschen“ aus fast fünf Jahrhunderten: von der Eroberung Südamerikas bis zu den Kolonialplänen der Nationalsozialisten. Die hier zusammen getragenen historischen Originaldokumente zu Themen wie „koloniale Propaganda“, „organisierte Kolonialbewegungen“, „Herrschaftsideologie und koloniale Praxis“,
koloniale Eroberungen vor dem Ersten Weltkrieg und „kolonialem Revisionismus“
in der Weimarer Republik sowie in der Nazizeit sind ein reichhaltiger Fundus nicht nur bei der Auseinandersetzung mit der Kolonialgeschichte sowie dem Ersten und Zweiten Weltkrieg, sondern auch mit der Tradition des Rassismus in Deutschland.

Bechhaus-Gerst, Marianne; Horstmann, Anne-Kathrin (Hg.): Köln und der deutsche Kolonialismus. Eine Spurensuche.
Das Buch ist das Ergebnis eines «lokalhistorischen Projekts der Erinnerungsarbeit», das sich unter dem Titel «Köln Postkolonial» seit 2008 mit Spuren der Kolonialgeschichte in der Stadt auseinandersetzt. In den verschiedenen Aufsätzen des Buches wird u.a. auf den Kolonialrevisionismus in der Weimarer Republik verwiesen, dessen prominentester Vertreter der damalige Kölner Oberbürgermeister und spätere Bundeskanzler Konrad Adenauer war. In ihren Zielsetzungen wie in ihrer Diktion («Volk ohne Raum») legte diese Bewegung die Grundlagen für die Kolonialpläne der Nazis, weshalb die Rolle Adenauers u.a. auch in den  Publikationen und in der Ausstellung von Recherche International e.V. über die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg thematisiert wird. In dem Buch finden sich weitere Fakten zur Rolle Adenauers als Kolonialpropagandist, aber auch der Hinweis, dass «seine Tätigkeit als stellvertretender Präsident der Deutschen Kolonialgesellschaft… bisher nicht aufgearbeitet oder erforscht worden (sind)».

Michels, Stefanie: Schwarze deutsche Kolonialsoldaten. Mehrdeutige Repräsentationsräume und früher Kosmopolitismus in Afrika
Bielefeld 2009.
Als Habilitationsschrift der „Nachwuchsgruppenleiterin im Exzellenzcluster ‚Die Herausbildung normativer Ordnungen‘ an der Goethe-Universität Frankfurt am Main“ verlangt dieses Buch von seinen LeserInnen einiges. Schon zu Beginn müssen sie sich durch Dutzende Seiten mit „terminologischen Festlegungen“, „persönliche Annäherungen“ und „Abgrenzungen“ hindurcharbeiten, um zu konkreten historischen Informationen über afrikanische Soldaten in den deutschen Kolonien vorzustoßen. Allein für die Bezeichnung „Askari“ werden Dutzende verschiedene Definitionen aus deutschen, englischen, französischen und arabischen Lexika präsentiert und in einer „Begriffsgenese“ miteinander verglichen. Mit dieser Herangehensweise sollen, wie es im Klappentext heißt, „etablierte Wahrnehmungsregime dezentriert“ werden. Hinter solch abgehobenen – im postkolonialen Diskurs nicht untypischen –  theoretischen Erörterungen rückt die Beschreibung der Geschichte und Einsätze schwarzer deutscher Kolonialsoldaten in Togo, Kamerun, Deutsch Ostafrika und Deutsch Südwest-Afrika leider deutlich in den Hintergrund. Dabei finden sich in dem Buch interessante und bislang wenig bekannte Fakten (und auch Fotos). So ist z.B. zu erfahren, dass sowohl die Regierung der Weimarer Republik (in den 1920er Jahren) wie die der Bundesrepublik (in den 1960er Jahren) Ablasszahlungen an ehemalige Veteranen der deutschen Kolonialarmeen leistete, um deren Forderungen nach angemessenen Renten- und Entschädigungen zu begegnen.

Timm, Uwe: „Deutsche Kolonien“. Und: „Morenga“.
Köln 2001 und München 2000.
Der Schriftsteller Uwe Timm hat einen Fotoband über die 35 Jahre der deutschen Kolonialgeschichte (von 1884 bis 1919) herausgegeben mit ganzseitigen historischen Aufnahmen aus Deutsch-Ostafrika, Deutsch-Südwestafrika, Kamerun, Togo, Samoa und Kiautschou. Timm schreibt dazu: «Die Fotos […] zeigen beide Welten, die der Kolonisatoren und die der Kolonisierten […] Diese zwei Welten stehen sich gegenüber wie in den Fotos, deren eines deutsche Schutztruppenoffiziere unter ihrer Standarte in Südwestafrika zeigt, und ein anderes den Rebell Morenga. Der Guerillaführer und ehemalige Minenarbeiter steht inmitten seiner zerlumpten Guerilleros – ein paar Mann, die über Jahre dem Deutschen Reich den verlustreichsten Krieg zwischen den beiden europäischen Kriegen von 1870/71 und 1914/18 lieferten. Kurz bevor er 1907 fiel, schrieb Morenga auf die Frage, warum er auch in einer aussichtslosen Situation weiterkämpfte: ‹Lieber aufrecht sterben, als auf allen Vieren zwischen den Klippen herumzukriechen.›» 
Über Morenga publizierte Timm auch einen – auf Originaldokumenten basierenden – Roman, der 1984/85 verfilmt wurde. Bücher und Film liefern eindrucksvolles Material zur Auseinandersetzung mit der deutschen Kolonialgeschichte und dem kolonialem Rassismus.


DIE DRITTE WELT IM ERSTEN WELTKRIEG


Roy, Franziska; Liebau, Heike; Ahuja, Ravi (Hg.): Soldat Ram Singh und der Kaiser. Indische Kriegsgefangene in deutschen Propagandalagern 1914-1918
Im Ersten Weltkrieg kämpften Zehntausende indische Kolonialsoldaten unter britischem Kommando an europäischen Fronten. Etwa 2000 von ihnen gerieten für bis zu fünf Jahre in deutsche Kriegsgefangenschaft. Sie dienten deutschen Wissenschaftlern als Forschungsobjekte und deutschen Künstlern als exotische Motive.
Die Aufsätze in diesem Buch erzählen von diesen Gefangenen.


KOLONIALPLÄNE DER NATIONALSOZIALISTEN

Kum’a Ndumbe III., Alexandre: Was wollte Hitler in Afrika? NS-Planungen für eine faschistische Neugestaltung Afrikas. 
Frankfurt a.M. 1993.
Standardwerk über die Kolonialpläne der Nationalsozialisten, die in diesem Forschungsbericht erstmals detailliert anhand historischer Quellen dokumentiert sind.
Dem Autor, Politikwissenschaftler aus Kamerun, ging es darum, den weit  verbreiteten, aber historisch falschen Eindruck zu korrigieren, die Expansionsziele des NS-Regimes seien ausschließlich „nach Osten“ gerichtet gewesen. Er fragt „Was wäre aus Afrika geworden, wenn Hitler den Krieg gewonnen hätte?“. Und er weist nach, dass es – für die Zeit nach der Unterwerfung Osteuropas – ausgearbeitete Pläne Nazideutschlands zur Eroberung eines riesigen Kolonialreiches in Afrika gab.
Von Kum’a Ndumbe sind in der Edition „AfricAvenir/Exchange&Dialogue“ zahlreiche
weitere Bücher zur Kolonialgeschichte in deutscher Sprache erschienen, so z.B. über
„Das deutsche Kaiserreich in Kamerun“ und „Die Beziehungen zwischen Deutschland und Südafrika von 1933 bis 1973“. Informationen dazu finden sich unter: www.africavenir.com. Der Kameruner Autor hat auch das Vorwort für das Buch „Unsere Opfer zählen nicht“ verfasst.

Linne, Karsten: «Weiße Arbeitsführer» im «Kolonialen Ergänzungsraum». Afrika als Ziel sozial- und wirtschaftspolitischer Planungen in der NS-Zeit. 
Münster 2002.
Die Dissertation analysiert die umfangreichen Vorbereitungen des NS-Regimes für die Organisation von Arbeit und Wirtschaft in dem anvisierten deutschen Kolonialreich in Afrika. Im Zentrum der Untersuchung steht das «Arbeitswissenschaftliche Institut der Deutschen Arbeitsfront», dessen minutiöse Planungen belegen, dass die Nationalsozialisten neben der «Ostforschung» bislang zwar kaum bekannte, aber mindestens ebenso umfangreichere Forschungen über «den Süden» betrieben. Dazu gehörte die Entwicklung detaillierter Pläne, wie «weiße Arbeitsführer» afrikanische «Eingeborene» befehligen und ausbeuten sollten. Auch wenn das Buch aufgrund seiner Detailfülle etwas überfrachtet wirkt, bietet es sozial- und geschichtswissenschaftlich Interessierten Hintergrund- sowie Anschauungsmaterial zum Umgang mit historischen Quellen.


SCHWARZE IM NATIONALSOZIALISMUS

Peter Martin und Christine Alonzo (Hg.): Zwischen Charleston und Stechschritt.
Schwarze im Nationalsozialismus.
Hamburg 2004.
Der fast 800 Seiten starke, reich bebilderte Sammelband enthält wissenschaftliche
Aufsätze und Dokumente zur Geschichte schwarzer Menschen in Deutschland vom Beginn des 20. Jahrhunderts bis zum Ende des Nationalsozialismus. Die Zeit des Ersten Weltkriegs ist darin ebenso beschrieben wie das Schicksal schwarzer Kriegsgefangener und KZ-Opfer während des Zweiten Weltkriegs. Das Schlusskapitel widmet sich der rassistischen Ausgrenzung von Schwarzen in Deutschland nach 1945 und der „Beharrlichkeit von Vorurteilen“ in Schulbüchern (z.B. für Biologie) bis heute. Auch wenn in dem Buch Beispiele für schwarze Selbstorganisationen und schwarzen Widerstand fehlen, die es seit den 1970er Jahren gibt, bietet der voluminöse Band viel brauchbares Material, da die Verfolgung und Ausgrenzung von Schwarzen mit zahlreichen Fotos und Zeitungsausschnitten dokumentiert ist. Ein Lehrbuch zur Geschichte des deutschen Rassismus.

Hans J. Massaquoi: «Neger, Neger, Schornsteinfeger!» Meine Kindheit in Deutschland. 
Bern 1999.
In seiner umfangreichen Autobiographie erzählt Hans J. Massaquoi auch von seiner Jugend in Deutschland während der NS-Zeit. Als Kind eines afrikanischen Diplomaten und seiner deutschen Angestellten wuchs Massaquoi in Hamburg auf. Geboren 1926 war er bei der Machtübernahme der Nationalsozialisten sieben Jahre alt. Bis Kriegsende lebte er in der Elbestadt. Von seiner Mutter und seinen Verwandten liebevoll umhegt, hatte er anfangs mit Gleichaltrigen und in der Schule wenig Probleme. Später nahmen Drangsalierungen und rassistische Beleidigungen zu, aber Massaquio überlebte – als Arbeiter in einer Fabrik. Seine Versuche, am «Alltag» der NS-Zeit teilzunehmen und in die Hitlerjugend sowie in die Wehrmacht aufgenommen zu werden, scheiterten an seiner Hautfarbe. Das Buch gibt einen sehr persönlichen Eindruck vom Leben und Überleben als Schwarzer in der NS-Zeit. Die Kapitel sind als abgeschlossene, meist kurze Erzählungen verfasst und können somit auch einzeln im Unterricht eingesetzt werden. 

Lemke Muniz de Faria, Yara-Colette : Zwischen Fürsorge und Ausgrenzung. Afrodeutsche «Besatzungskinder» im Nachkriegsdeutschland. 
Berlin 2002.
Der Rassismus gegen Schwarze in Deutschland, besonders der von deutschen Behörden exekutierte, endete nicht mit dem Untergang des NS-Regimes. Kinder aus Beziehungen schwarzer Besatzungssoldaten mit deutschen Frauen waren nach 1945 – wie schon nach 1918 – erheblichen Diskriminierungen ausgesetzt. Kirchliche Stellen und staatliche Wohlfahrtsinstitutionen versuchten sogar, diese Kinder aus Deutschland abzuschieben. «Wissenschaftler» unterstützten diesen Kurs mit Expertisen, in denen sie den Kindern eine besondere «Wildheit» bescheinigten und sie als gefährlich und als nicht in die deutsche Gesellschaft integrierbar brandmarkten. Als «Mischlingskinder» waren sie allerdings auch in den USA nicht willkommen. Ihre Väter durften sie nicht zu sich nehmen, vielmehr wurden weiße Adoptiveltern für diese Kinder gesucht. Das Buch dokumentiert die erschreckende Kontinuität des Rassismus in Deutschland von der Nazizeit bis in den bundesrepublikanischen Alltag und kann deshalb auch zur Auseinandersetzung mit aktuellen rassistischen Haltungen und Übergriffen herangezogen werden.

Achenbach, Marina: Wunderbare Fasia Jansen. 
Düsseldorf 2004.
Biographie der schwarzen Deutschen Fasia Jansen, die ihre Kindheit in Nazideutschland verlebte und in der BRD zur Frauen- und Friedensaktivistin wurde.

Maillet, Michèle: Schwarzer Stern. 
Berlin 1994.
Roman über das Schicksal einer Schwarzen, die aus Frankreich in ein deutsches KZ deportiert wird.

Reed-Anderson, Paulette: Berlin und die afrikanische Diaspora. 
Berlin 2000.
Texte und Bilder einer Ausstellung über Schwarze in Berlin vom 19. Jahrhundert über die Zeit des Nationalsozialismus bis heute.


SPANISCHER BÜRGERKRIEG

Eisenbürger Gert: Interview mit Willi Israel. 
In: Informationsdienst Lateinamerika (ila), Mai 1997.
Gespräch mit dem deutschstämmigen Linken aus Montevideo über lateinamerikanische Solidaritätsaktionen für die Republikaner in Spanien.

Lustiger, Arno: Schalom Libertad! Juden im Spanischen Bürgerkrieg. 
Köln 1991.
Jüdische Freiwillige, darunter einige hundert aus Palästina, kämpften auf Seiten der Republikaner. Das Buch erinnert an ihre Beweggründe und Einsätze.


DER BEGINN DES ZWEITEN WELTKRIEGS IN ÄTHIOPIEN
 
Mattioli, Aram: Experimentierfeld der Gewalt. Der Abessinienkrieg und seine internationale Bedeutung 1935-1941. 
Zürich 2005
In Afrika zeigte Mussolinis Italien seinen unmenschlichen Charakter am deutlichsten.
Die faschistischen Truppen führten von Libyen bis Ostafrika brutale Eroberungskriege und schreckten selbst vor Genoziden nicht zurück. Der Autor beschreibt die Ideologie und Praxis des italienischen Kolonialismus als eine „neue Dimension organisierter Gewalt“: „Luftangriffe, Giftgas und Konzentrationslager gehörten im brutal angegriffenen und besetzten Äthiopien ebenso zum Alltag wie Massaker, Pogrome, das Abbrennen ganzer Landstriche und das Abschlachten von Viehherden“. Deshalb seien „viele Äthiopier bis heute zu Recht der Meinung […], dass der Zweite Weltkrieg nicht mit dem deutschen Überfall auf Polen, sondern bereits am 3. Oktober 1935 mit der italienischen Aggression gegen das Kaiserreich Abessinien begann“. Ein bedrückendes, aber notwendiges Buch, dessen Autor in verständlicher Sprache auch Kritik an der Ignoranz übt, die Historiker in Italien und anderswo in der Nachkriegszeit gegenüber diesem düsteren Kapitel der Geschichte zeigten. 

Asserate, Asfa-Wossen; Mattioli, Aram (Hg.): Der erste faschistische Vernichtungskrieg. Die italienische Aggression gegen Äthiopien 1935-1941
Dokumentation einer Tagung an der Universität Luzern im Oktober 2005
Köln 2006
„Dies ist kein Krieg, es ist nicht einmal ein Gemetzel, sondern die Folterung von Zehntausenden von wehrlosen Männern, Frauen und Kindern, mit Bomben und Giftgas“ – mit diesen Worten beschrieb der für das Rote Kreuz tätige Feldartzt John Melly das bis dahin beispiellose Grauen des Abessinienkrieges. Tagsächlich begann der Zweite Weltkrieg für die Äthiopier bereits am 3. Oktober 1935 mit der militärischen Aggression Italiens. Die historische Bedeutung dieses fünf ein halb Jahre währenden Konflikts liegt nicht darin, daß er ein anachronistischer Kolonialkrieg gewesen ist, in dem Mussolinis Legionen noch einmal alle Verbrechen kopierten, welche die älteren Kolonialmächte seit jeher über eroberte Urbevölkerungen brachten. Es handelte sich vielmehr um den  ersten faschistischen Vernichtungskrieg der Geschichte, der in manchem bereits das Destruktionspotential der nationalsozialistischen Ostexpansion annonciert. Die Beiträge dieses Sammelbands sind nicht nur im Blick auf eine Neubeurteilung des faschistischen Italien als eines brutalen Kriegsregimes von Bedeutung. Sie belegen, daß der Abessinienkrieg künftig als ein Schlüsselereignis in der Gewaltgeschichte des ‚Katastrophenzeitalters’ Beachtung finden muss. (Verlagstext)


AFRIKANISCHE KRIEGSTEILNEHMER IN DEN FRANZÖSISCHEN KOLONIEN

Riesz, János; Schultz, Joachim (Hg.): „Tirailleurs Sénégalais“.
Frankfurt/Bern/New York/Paris 1989.
Aufsätze in deutscher und französischer Sprache „zur bildlichen und literarischen Darstellung afrikanischer Soldaten im Dienste Frankreichs“, von der rassistischen deutschen Propaganda im Ersten Weltkrieg („Schwarze Schande“) über die Darstellung schwarzer Soldaten während der französischen Rheinlandbesetzung in den 1920er Jahren bis zur Präsentation afrikanischer Kolonialsoldaten in der französischen und afrikanischen Literatur. 

Fanon, Frantz: „Schwarze Haut, weiße Masken“. Und: „Die Verdammten dieser Erde“
Frankfurt a. M. 1985. Und: Frankfurt a.M.1966.
Der Schriftsteller und Theoretiker Frantz Fanon, selbst Kriegsteilnehmner auf Seiten des Freien Frankreich, beschreibt die rassistische Haltung, die es auch in den alliierten Streitkräften gegenüber schwarzen Kolonialsoldaten gab, in Büchern wie «Peau noir, masque blanc» («Schwarze Haut, weiße Masken»). Darin berichtet Fanon von Erfahrungen wie dieser: «Wir erinnern uns an einen Tag, als es mitten im
Kampf darum ging, ein Maschinengewehrnest auszuheben. Dreimal wurden die Senegalesen vorgeschickt, dreimal wurden sie zurückgeschlagen. Dann fragte einer von ihnen, warum denn die Toubabs nicht hingingen». Die Toubabs waren die Weißen. Fanon registrierte mit Abscheu, dass die Europäer schwarze Soldaten als Kanonenfutter missbrauchten und schwarze Offiziere allenfalls als Dolmetscher neben sich duldeten, «um ihren Artgenossen die Befehle des Herrn zu übermitteln.»
Auch Fanons Analyse des Kolonialismus in dem Buch «Die Verdammten dieser Erde», das zur theoretischen Grundlage für antikoloniale Bewegungen in aller Welt wurde und zu dem Jean-Paul Sartre das Vorwort schrieb, war wesentlich durch Fanon Erfahrungen mit der Diskriminierung afrikanischer Soldaten im Zweiten Weltkrieg geprägt.

Afrikaner in deutscher Kriegsgefangenschaft 
Raffael Scheck: Hitlers afrikanische Opfer. Die Massaker der Wehrmacht an
schwarzen französischen Soldaten. 
Hamburg/Berlin2009.
Raffael Scheck ist Historiker und lehrt an der Cambridge University in den USA. Sein Buch ist die erste wissenschaftliche Untersuchung über Massaker der deutschen Wehrmacht an Kriegsgefangenen schwarzer Hautfarbe. Er konzentriert seine Forschungsarbeit auf den Juni 1940, als sich die französische Armee den deutschen Angreifern geschlagen geben musste. Scheck berichtet von zahlreichen Morden an schwarzen Soldaten während oder nach ihrer Gefangennahme. Die Massaker waren das Resultat eines in Deutschland und auch in der Wehrmacht tief verwurzelten Rassismus und wurden von den jeweiligen Befehlshabern vor Ort angeordnet. Die Morde wurden nach Kriegsende nicht juristisch verfolgt. Schecks Studie beruht auf Augenzeugenberichten sowie Unterlagen aus deutschen und französischen Archiven. Das Buch schließt eine wichtige Lücke bei der Aufklärung von Verbrechen der Wehrmacht, die in Polen ihren Anfang nahmen, sich im Westen mit den Massakern an schwarzen Soldaten fortsetzten und schließlich in den Massenmorden des „Russlandfeldzuges“ und der Teilnahme am Holocaust gipfelten.

Serge Bilé: Das schwarze Blut meiner Brüder. Vergessene Opfer des Nationalsozialismus. 
Berlin 2006.
Der Journalist Serge Bilé stammt aus der Elfenbeinküste und arbeitet beim französischen Überseesender RFO. Er hat sich auf die Suche nach schwarzen Überlebenden und Opfern der Nazizeit gemacht, die als schwarze Deutsche vom NS-Regime terrorisiert oder als Kriegsgefangene in Arbeits- und Konzentrationslager deportiert wurden. Die kurzen Geschichten, die der Autor erzählt, basieren auf Gesprächen mit Zeitzeugen sowie auf Dokumenten des Regimes und sind spannend zu lesen und verdeutlichen, dass sich der Rassismus und die Vernichtungspolitik der Nationalsozialisten auch gegen Schwarze richtete.

Marianne Bechhaus-Gerst: Treu bis in den Tod. Von Deutsch-Ostafrika nach Sachsenhausen – Eine Lebensgeschichte. 
Berlin 2007.
Mahjub bin Adam Mohamed, der in Deutschland Mohamed Hussein, später auch Mohamed Husen hieß, stammte aus dem Sudan. Die Autorin seiner Biographie ist Afrikanistin und erzählt, wie sich der Ostafrikaner 1914 als Söldner von den deutschen Kolonialtruppen anwerben ließ und 1929 nach Deutschland einwanderte. Dort arbeitete er als Lehrer an einer Universität, als Kellner und als Schauspieler. Er wehrte sich gegen seine rassistische Diskriminierung in Deutschland und versuchte, sich auch gegen den Terror der Nazis zu behaupten, indem er auf seine «Verdienste» für Deutschland und seine unveräußerlichen «Rechte» verwies. 1941 wurde er dennoch ins KZ-Sachsenhausen deportiert, wo er drei Jahre später starb. Das Buch ist außerordentlich materialreich geschrieben und verdeutlicht, unter welchen Bedingungen Schwarze im Nationalsozialismus leben mussten.


DEUTSCHE KRIEGSZIELE UND JUDENVERFOLGUNG IN NORDAFRIKA UND IM NAHEN OSTEN

Mallmann, Klaus-Michael/Cüppers, Martin: Halbmond und Hakenkreuz.
Das Dritte Reich, die Araber und Palästina. 
Darmstadt 2006.
Die erste wissenschaftliche Publikation in deutscher Sprache, für die das hierzulande
verfügbare Archivmaterial über die Beziehungen Nazideutschlands zur arabischen
Welt ausgewertet wurde. Sie dokumentiert die Sympathien vieler Politiker und religiöser Führer sowie bedeutender Teile der Bevölkerung Nordafrikas (insbesondere Ägyptens) sowie des Nahen und Mittleren Ostens für den Krieg Nazideutschlands und die Judenverfolgung. Bei ihren Recherchen stießen die Autoren auch auf Pläne des NS-Regimes zur Fortführung des Holocausts in den arabischen Ländern (insbesondere in Palästina). Das dafür eigens gebildete Sonderkommando der SS landete Ende 1942 mit der deutschen Wehrmacht in Tunesien und begann unverzüglich damit, die dort lebenden Juden zusammen zu treiben und in Arbeitslager zu deportieren. Der Bau eines KZs war geplant und die SS-Leute bauten auf die Hilfe arabischer Freiwilliger bei der geplanten Verfolgung und Vernichtung der Juden in Palästina, die nur der alliierte Vormarsch verhinderte. Die Autoren, Mitarbeiter der Forschungsstelle Ludwigsburg der Universität Stuttgart, präsentieren nicht nur viele bislang verschwiegene Fakten, sondern sie üben auch Kritik an der „bedenklichen“ Ignoranz hiesiger Geschichts- und Islamwissenschaftler gegenüber „der Nähe zwischen Nationalsozialismus und der arabischen Welt bis in die jüngste Vergangenheit“.

Gensike, Klaus: Der Mufti von Jerusalem und die Nationalsozialisten.
Eine politische Biographie Amin el-Husseinis. 
Stuttgart 2007.
Aktualisierte und erweiterte Fassung der Dissertation, die der Autor vor zwei Jahrzehnten über die Rolle des höchsten palästinensischen Funktionärs in den dreißiger und vierziger Jahren vorgelegt hat («Der Mufti von Jerusalem». Frankfurt a.M. 1988). Die Biographie beschreibt, dass Husseini bei seinem Aufstieg zum höchsten Repräsentanten der Araber in Palästina in den 1920er Jahren keine Skrupel kannte und politische Gegner gewaltsam aus dem Weg räumen ließ. Schon 1933 erklärte er öffentlich seine Bewunderung für den deutschen Faschismus und ab 1936 kämpfte er mit deutschem Geld und deutschen Waffen gegen Briten, Juden und andersdenkende Araber in Palästina. Das Buch dokumentiert seine Beteiligung an einem pro-deutschen Putsch im Irak (1941) und seine anschließenden Aktivitäten im deutschen Exil (bis 1945). Gensike weist nach, dass Husseini keineswegs nur aus taktischen Gründen – etwa zur Befreiung der arabischen Länder von der britischen Kolonialherrschaft – zur Kollaboration mit den deutschen Faschisten bereit war. Vielmehr habe er sich bei der NS-Führung (Hitler, Himmler und Goebbels) geradezu angebiedert, weil er von der «Endlösung der Judenfrage», dem Massenmord an Millionen Juden, begeistert war. Husseini beteiligte sich persönlich daran, indem er verhinderte, dass sich Juden aus den von Deutschland besetzten Ländern Ungarn, Rumänien und Bulgarien nach Palästina in Sicherheit bringen konnten. Gensike beschreibt auch die politische Konstellation der Nachkriegszeit, in der Husseini – trotz seiner Kriegsverbrechen – seine Karriere als internationaler Sprecher der Palästinenser fortsetzen konnte. Das Buch liefert damit historische Grundlagen für eine fundierte Auseinandersetzung mit den Konflikten im Nahen Osten bis in die Gegenwart.

Wiesenthal, Simon: Großmufti – Großagent der Achse. Tatsachenbericht mit 24 Photographien.
Salzburg/Wien 1947.
Simon Wiesenthal dokumentierte schon 1947 in diesem Tatsachenbericht, an welchen Kriegsverbrechen der palästinensische Nazi-Kollaborateur Hadj Amin el-Husseini beteiligt war. Die Fotos darin zeigen den Palästinenserführer, dem Nazideutschland von 1941 bis 1945 Exil gewährte, bei Treffen mit Hitler, Goebbels und Eichmann sowie bei der Rekrutierung muslimischer Totenkopfverbände für
die Waffen-SS in Bosnien und Kroatien. Husseinis Nachkriegskarriere hat dies nicht geschadet.

Höpp, Gerhard (Hg.): Mufti-Papiere. Briefe, Memoranden, Reden und Aufrufe Amin al-Hussainis aus dem Exil. 1940-1945. 
Zentrum Moderner Orient. Studien 16. Berlin 2004.
Erschreckende Sammlung antisemitischer und faschistischer Hetzreden, Radioansprachen und Briefe des politischen und religiösen Führers der Palästinenser in der Zeit des Zweiten Weltkriegs (und in dem Jahrzehnt danach). Auch wenn der Herausgeber – in der für hiesige Wissenschaftler nicht untypischen verharmlosenden Haltung gegenüber Nazikollaborateuren aus der arabischen Welt – im Vorwort betont, den militanten Antisemiten und Kriegsverbrecher Husseini keineswegs «denunzieren» oder «dämonisieren» zu wollen, sondern vielmehr dafür plädiert, ein «nüchternes Verhältnis» zu dieser «umstrittenen politischen Persönlichkeit» zu finden, sind die Dokumente nützlich. Denn ihr Inhalt spricht für sich. Die Einführung des Herausgebers kann dazu dienen, die mangelnde Bereitschaft deutscher Islamwissenschaftler zu illustrieren, sich ernsthaft mit faschistischen und antisemitischen Traditionen in arabischen Ländern auseinanderzusetzen.

Höpp, Gerhard; Reinwald, Brigitte (Hg.): Fremdeinsätze. Afrikaner und Asiaten in europäischen Kriegen, 1914 – 1945. 
Berlin, 2000.
Sammlung von Detailstudien von zum Teil allerdings fragwürdiger Qualität über Kolonialsoldaten aus Afrika, dem Nahen Osten und Asien im Ersten und Zweiten Weltkrieg, die das Ergebnis einer Arbeitstagung des Zentrum Moderner Orient (ZMO) in Berlin darstellen. Wie sämtliche Publikationen des ZMO so sind auch die meisten dieser Aufsätze von dem Bemühen gekennzeichnet, historische Fakten über Nazi-Kollaborateure im Nahen Osten zu verharmlosen, zu leugnen oder zu verschweigen.

Balke, Rolf: Hakenkreuz im Heiligen Land. Die NSDAP-Landesgruppe Palästina. Erfurt 2001.
Wissenschaftliche Arbeit über die deutschen Siedler in Palästina und ihr Verhältnis zur dortigen Auslandsorganisation der NSDAP.

Lustiger, Arno: Zum Kampf auf Leben und Tod! Vom Widerstand der Juden 1933-1945. 
Köln 1994.
Standardwerk zum Widerstand von Juden gegen die nationalsozialistische Vernichtungspolitik mit zahlreichen biografischen Beispielen. Das Buch enthält jeweils ein Kapitel zu Nordafrika und Palästina sowie zu jüdischen Soldaten in den alliierten Armeen.

Blum, Howard: Ihr Leben in unserer Hand. Die Geschichte der jüdischen Brigade im Zweiten Weltkrieg. 
München 2002.
Auf der Grundlage ausführlicher Gespräche mit Beteiligten erzählt der Autor von der Formierung einer gesonderten Einheit jüdischer Freiwilliger aus Palästina innerhalb der britischen Armee, von den Einsätzen der Brigade in der Schlussphase des Zweiten Weltkrieges und von klandestinen Strafaktionen ihrer Mitglieder gegen hohe Nazifunktionäre.

Hafner, Georg M./Schapira, Ester: Die Akte Alois Brunner. Warum einer der größten Naziverbrecher noch immer auf freiem Fuß ist. 
Reinbek bei Hamburg 2002
Alois Brunner war Stellvertreter Adolf Eichmanns und verantwortlich für die Deportation und Ermordung von etwa 120 000 Juden aus Paris, Saloniki, Nizza und Berlin. Nach dem Krieg zunächst untergetaucht, gelang ihm 1954 die Flucht nach Syrien, wo ihm das Regime des Diktators Hafis al-Assad jahrzehntelang Unterschlupf gewährte. Brunner konnte in Damaskus (Waffen-) Geschäfte betreiben und er unterhielt Kontakte zu anderen NS-Verbrechern, die im Nahen Osten Zuflucht gefunden hatten (wie z.B. der berüchtigte KZ-Arzt in Buchenwald, Hans Eisele, und Johannes van Leers, ein enger Mitarbeiter von Joseph Goebbels). Zusammen mit weiteren «100 deutschen Fachleuten » dieser Art half Brunner dem ägyptischen Präsidenten Gamal Abd el-Nasser beim Aufbau seines Polizeiapparates. Als Vermittler fungierte dabei der Palästinenserführer und Nazikollaborateur Amin el-Husseini, dessen Familie nicht nur Brunner in Damaskus Unterkunft gewährte, sondern auch Franz Stangl, dem Kommandanten des Vernichtungslagers Treblinka. Das Buch dokumentiert die anhaltende Kumpanei arabischer Nazikollaborateure mit NS-Verbrechern im Nahen Osten und einen bundesdeutschen Justizskandal. Denn Brunner blieb unbehelligt, obwohl seine Aktivitäten im Nahen Osten bekannt waren. Auch eine Fernsehdokumentation der Autoren dieses Buches, beide Mitarbeiter des Hessischen Rundfunks, änderte daran nichts. (Sie lief 1998 unter dem Titel: «Die Akte Alois Brunner. Die Geschichte eines Massenmörders.»)


ASIEN

KOREAS BEDEUTUNG FÜR DIE JAPANISCHE KRIEGFÜHRUNG

Koreanische Frauengruppe in Deutschland (Hg.): In die Prostitution gezwungen. Koreanische Frauen erinnern sich. Zeugenaussagen aus dem japanischen Asien-Pazifik-Krieg. 
Osnabrück 1996.
Während des Zweiten Weltkriegs verschleppten die Japaner etwa 200.000 Frauen, die meisten davon Koreanerinnen, in ihre Militärbordelle. Die oft noch minderjährigen Frauen wurden mit Versprechen auf gut bezahlte Fabrikarbeit angeworben und mussten schließlich Massenvergewaltigungen und unvorstellbare Grausamkeiten erdulden. Erst 1991, ein halbes Jahrhundert später, wagten sich einige der betroffenen Frauen erstmals an die Öffentlichkeit und brachen das Schweigen über diese japanischen Kriegsverbrechen. Das Buch enthält 15 aus koreanischen Publikationen ausgewählte Zeugnisse von Frauen, die – zur Zeit ihrer Befragungen durch Sozialwissenschaftlerinnen – in China, Nord- und Südkorea lebten. Ihre Berichte dokumentieren, dass die japanischen Streitkräfte Koreanerinnen als Zwangsprostituierte an alle Fronten ihrer Eroberungsfeldzüge in Asien und der Pazifikregion verschleppten: von der Mandschurei und Städten wie Nanking und Shanghai in China über Taiwan, Thailand und Burma bis nach Singapur, auf die mikronesische Insel Palau sowie nach Japan selbst. Die schonungslose Offenheit, mit der die Betroffenen über die Torturen berichten, die sie von Seiten der Japaner zu ertragen hatten, macht ihre Aussagen zu beklemmenden, teilweise kaum erträglichen Zeugnissen sexualisierter Gewalt, unter der Frauen in Kriegen zu leiden haben. Das Nachwort erklärt, warum die Opfer es in der streng patriarchalischen Gesellschaft Koreas ein halbes Jahrhundert nicht gewagt hatten, Zeugnis von ihrem Martyrium abzulegen. Eine Karte sowie eine Zeittafel zur japanischen Expansion auf die koreanische Halbinsel vervollständigen das empfehlenswerte Buch.


Werning, Rainer: Kollektive Amnesie
Zur Vergangenheitspolitik in Asien 60 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs

iz3w Nr. 288 * Seite 16 - 18 (Teil 1) und in iz3w Nr. 289 * Seite 16 - 18 (beides 2005)
Teil 1 hier
Teil 2 hier


JAPANS VERNICHTUNGSKRIEG GEGEN CHINA

Kuhn, Dieter: Der Zweite Weltkrieg in China. 
Berlin 1999.
Standardwerk über die Geschichte des japanischen Vernichtungskriegs in China, für die der Autor, Professor für Sinologie an der Universität Würzburg, intensive Studien in chinesischen, japanischen und US-amerikanischen Archiven betrieben hat. Auf dieser Grundlage beschreibt er die politischen und militärischen Ereignisse in chronologischer Folge, vom Beginn des Krieges – mit Hilfe eines fingierten japanischen Zwischenfalls bei Peking – im Jahre 1937 über die brutalen Feldzüge der kaiserlichen Truppen nach Shanghai und Nanking bis zur Vertreibung der japanischen Invasoren durch die nationalchinesischen und kommunistischen Streitkräfte und dem anschließenden Machtkampf zwischen Chiang Kai-shek und Mao Tse-tung. Auf Vorlesungsmanuskripten basierend ist dieses Buch trotz seines wissenschaftlichen Anspruchs verständlich geschrieben. und damit auch in Schulen einsetzbar.

Chang, Iris: Die Vergewaltigung von Nanking. Das Massaker in der chinesischen Hauptstadt am Vorabend des Zweiten Weltkriegs. 
Zürich 1999.
Im Dezember 1937 eroberten japanische Truppen Nanking, die damalige Hauptstadt Chinas. In den folgenden Wochen wurde Nanking zum Schauplatz eines Massakers, bei dem die japanischen Militärs nach verschiedenen, von der Autorin zitierten Schätzungen 300 000 bis 400 000 chinesische Zivilisten und Soldaten ermordeten. In einer unfassbaren Gewaltorgie folterten und verstümmelten die japanischen Soldaten ihre Opfer. Darüber hinaus vergewaltigten sie bis zu 80 000 chinesische Frauen – einer der schlimmsten Fälle von systematischer Massenvergewaltigung in der Geschichte. Die in den USA geborene Autorin erfuhr von diesen Gräueln durch ihre Großeltern, die aus Nanking stammten, und dem Massaker durch eine glückliche Fügung entkommen waren. In langjährigen Recherchen sammelte sie Interviews und Tagebücher von Zeitzeugen, Zeitungsberichte und offizielle Aufzeichnungen in Japan, China, den USA und Europa. Auf Grundlage dieses Materials schildert sie das Geschehen in Nanking aus drei verschiedenen Perspektiven: aus der japanischer Täter, der chinesischer Opfer sowie der europäischer und US-amerikanischer Diplomaten und Geschäftsleute, die 1937 vor Ort waren und mehr als 200 000 chinesische Zivilisten in der «internationalen Zone» der Stadt zu retten versuchten. 
Die in dem Buch präsentierten historischen Fakten und Fotos sind überaus erschütternd und sollten deshalb nicht unvorbereitet (etwa im Schulunterricht) eingesetzt werden. Über diese Zeugnisse hinaus bietet das Buch eine prägnante Zusammenfassung des japanischen Wegs in den Zweiten Weltkrieg und beschreibt die inhumane Ausbildung japanischer Soldaten, die dem Gewaltexzess von Nanking vorausging. Die Autorin dokumentiert auch, dass nur eine verschwindend kleine Zahl von Verantwortlichen nach Kriegsende zur Rechenschaft gezogen wurde und japanische Politiker die Verbrechen der kaiserlichen Streitkräfte noch ein halbes Jahrhundert später leugneten und den Opfern Entschädigungszahlungen verweigerten. Das verständlich geschriebene Buch gehört zu den wichtigsten Publikationen über Japans Vernichtungskrieg gegen China.


DAS JÜDISCHE GHETTO IN SHANGHAI

Heppner, Enest G.: Fluchtort Shanghai. Erinnerungen 1938-1948. 
Berlin 2001.
Der Autor, 1921 in Breslau geboren, floh am 3. März 1939 mit seiner Mutter vor dem Naziterror in Deutschland nach Shanghai, damals der einzige Ort der Welt, der Juden ohne Einreiseerlaubnis und Visum aufnahm. Die Stadt wurde deshalb zur Zuflucht von Zehntausenden Juden aus Europa. Sie waren in überfüllten Heimen untergebracht, wurden 1941 von den japanischen Besatzern in einem Ghetto zusammen gepfercht und mussten alltäglich um ihr Überleben kämpfen, wie Heppner anhand eigener Erfahrungen eindrucksvoll beschreibt und mit Fotos dokumentiert. Hinzu kam die ständige Angst, dass die Nazis den Holocaust auch in Shanghai fortsetzen könnten, nachdem der ehemalige Gestapochef von Warschau, Josef Meisinger, der schon in Polen Tausende Juden hatte ermorden lassen, im Frühjahr 1942 in Shanghai aufgetaucht war. Aber die japanischen Besatzer, so brutal sie ansonsten in China auch wüteten, teilten den antisemitischen Vernichtungswahn der Deutschen nicht und widersetzten sich deren Plänen zur Ermordung der Juden Shanghais. Heppners Augenzeugenbericht erinnert an ein fast vergessenes Kapitel der (jüdischen) Geschichte und bietet exemplarische Einblicke in das schwierige Leben von Flüchtlingen im Exil.

Kaplan, Vivian Jeanette: Von Wien nach Shanghai. Die Flucht einer jüdischen
Familie. 
München 2006.
Die Geschichte beginnt im Wien der zwanziger Jahre, wo Gerda und Leopold Kosiner, die Großeltern der Autorin, als Geschäftsleute ein gut bürgerliches Leben führen. Der frühe Tod des Großvaters wirkt wie ein Vorzeichen auf die Schicksalschläge, die der Familie bevorstehen, als der in Deutschland grassierende Antisemitismus in den dreißiger Jahren auf Österreich übergreift. Auch in Wien werden Juden zunehmend aus dem öffentlichen Leben verbannt und verfolgt. Sie erhalten Berufsverbote, verlieren ihre Wohnungen und in der Pogromnacht von 1938 brennen ihre Schulen und Synagogen. Auf offener Straße angepöbelt, bespuckt, gedemütigt und verprügelt, suchen sie nach Wegen zur Flucht vor dem Nazi-Mob. Der Familie Kaplan gelingt mit viel Glück die Ausreise nach Italien und von dort per Schiff nach Shanghai. Dem Nazi-Terror entkommen, gelingt es den Kaplans mehr schlecht als recht, sich in ihrer fremden chinesischen Umgebung mit Devisengeschäften, einem Pelzhandel und einem Barbetrieb durchzuschlagen, bis die japanischen Besatzer die jüdischen Flüchtlinge in der Stadt (insgesamt 18000) in ein heruntergekommenes Viertel umsiedeln, das zum abgeriegelten Ghetto wird und in dem nur der Zusammenhalt der jüdischen Gemeinde die Familie vor dem Untergang rettet. («In Shanghai leben ist ein grausames Spiel, das viele verlieren.») Selbst die Befreiung der Stadt bezahlen viele der Flüchtlinge aufgrund der alliierten Bombardements noch mit dem Leben. 
Die Autorin, 1946 in Shanghai geboren und ab 1949 in Kanada aufgewachsen, bezeichnet die Erinnerungen ihrer Familie als «kreatives Sachbuch». Sie erzählt die Geschichte aus der Perspektive ihrer Mutter. Die «wirklichkeitsgetreue» und persönliche Erzählform macht die Judenverfolgung in Wien und das Ghettoleben in Shanghai bedrückend nachfühlbar.

Finkelgruen, Peter: Haus Deutschland oder Die Geschichte eines ungesühnten Mordes. 
Hamburg 1994.
Der in Köln lebende Schriftsteller wurde 1942 im jüdischen Ghetto von Shanghai geboren. Sein Vater kam dort um. Das letzte Kapitel dieses Buches erzählt davon und von den Plänen der NS-Gesandten vor Ort, die Vernichtung der Juden auch in der chinesischen Hafenstadt fortzuführen. Das Buch dokumentiert zudem – am Beispiel eines Nazi-Funktionärs, der den Großvater des Autors ermordete, aber nie dafür belangt wurde – wie NS-Verbrechen in (West-)Deutschland verdrängt, verschwiegen und vergessen wurden. Es liefert damit – in konkreter und verständlicher Form – Grundlagen zur Diskussion des Umgangs mit der Nazivergangenheit in Deutschland. Der Dokumentarfilm über Finkelgruens Leben («Unterwegs als sicherer Ort», s. Filmliste) und ein weiteres Buch des Autors («Erlkönigs Reich. Die Geschichte einer Täuschung.» Hamburg 1999.) liefern zusätzliches historisches Material über das Schicksal der Familie Finkelgruen im Zweiten Weltkrieg.

Finkelgruen, Peter; Seehaus, Gertrud: Opa und Oma hatten kein Fahrrad. Kindheit im Krieg in Shanghai und Deutschland.
Books on demand 2007/8.
Zusammen mit seiner Frau Gertrud Seehaus hat Peter Finkelgruen dieses Buch über den Zweiten Weltkrieg verfasst, das sich insbesondere für Lesungen, Gespräche und Spiele mit Kindern (4-6 Schuljahr) eignet und das die AutorInnen am liebsten in Anwesenheit von Eltern und Großeltern der Kinder persönlich vorstellen.
Hier finden Sie eine ausführliche Vorstellung des Buches.
Eine Vorstellung Peter Finkelgruens finden Sie hier.

Maul, Heinz Eberhard: Warum Japan keine Juden verfolgte
Die Judenpolitik des Kaiserreiches Japan während der Zeit des Nationalsozialismus (1933-1945)
München 2007.
So brutal Japan seinen Vernichtungskrieg in China auch führte, den eliminatorischen Antisemitismus Nazideutschlands teilte es nicht. Die japanische Regierung sowie ihre Militärs gaben deshalb auch dem Drängen von Gestapo-Gesandten nicht nach, auch die Juden, die sich nach Asien und insbesondere ins chinesische Schanghai hatten retten können, zu vernichten. Das Buch liefert Materialien zu diesem wenig bekannten Aspekt der deutsch-japanischen Beziehungen im Zweiten Weltkrieg.

Krechel, Ursula: Shanghai fern von wo
München 2010
Roman über jüdische Flüchtlinge, die am Vorabend des Zweiten Weltkriegs in der chinesischen Stadt Shanghai stranden.
(Weitere Literatur zum jüdischen Ghetto in Schanghai: siehe gesonderte Literaturempfehlungen zur Hamburger Ausstellung «atmen und halbwegs frei sein».


DER JAPANISCHE VORMARSCH NACH SÜDASIEN

Südostasien Informationen. 50 Jahre Ende des 2. Weltkriegs. 
Heft Nr. 2, Juni 1995.
Schwerpunktheft zu den Folgen des Zweiten Weltkriegs in Südostasien, herausgegeben aus Anlass des 50. Jahrestags des Kriegsendes. Die gut lesbaren Beiträge liefern historische Fakten über «die japanische Herrschaft» und «die Lebensbedingungen der Bevölkerung in der Region» während des Krieges, über «antijapanischen Widerstand in Malaya», die Zerstörung der philippinischen Hauptstadt Manila, «Portugiesisch-Timor“ m Zweiten Weltkrieg» sowie die Durchsetzung der «Unabhängigkeit als Folge des Krieges» in Burma und Indonesien. Ein Beitrag über die Geschichte Vietnams beschreibt, dass die kommunistische Widerstandsbewegung unter Ho Chi Minh schon 1945 erstmals eine unabhängige «Demokratische Republik» proklamierte, die sich allerdings erst nach 30 weiteren Jahren Krieg gegen Frankreich und die USA behaupten konnte.


INDONESIEN: ERST BEGEISTERUNG, DANN ERNÜCHTERUNG

Toer, Pramoedya Ananta: Stilles Lied eines Stummen. Aufzeichnungen aus Buru.
Bad Honnef 2000.
Autobiographie des bekanntesten indonesischen Schriftstellers, den Diktator Mohamed Suharto 16 Jahre lang inhaftieren und zusammen mit Hunderten anderen politischen Gefangenen auf die abgelegene Insel Buru verbannen ließ, wo er Zwangsarbeit leisten musste. Neben der Beschreibung dieser Nachkriegsrealität Indonesiens, das mit Hilfe der japanischen Besatzer seine Unabhängigkeit von den Niederlanden erhalten hatte, erinnert der Schriftsteller auch an die Zeit des Zweiten Weltkriegs in seinem Land. Dabei bekennt er selbstkritisch, dass er 1942 wie viele seiner Landsleute zunächst «in Diensten der Japaner» gestanden hatte, bevor er realisierte, dass diese nicht als Befreier, sondern als Besatzer gekommen waren.


INDIENS ROLLE IM ZWEITEN WELTKRIEG

Voigt, Johannes H.: Indien im Zweiten Weltkrieg. 
Stuttgart 1974.
Detaillierte Untersuchung über die Bedeutung der größten britischen Kolonie für die Kriegführung der Alliierten. Der Autor, der indische, britische und US-amerikanische Quellen ausgewertet hat, skizziert Geschichte und Herrschaftsform des britischen Kolonialismus in Indien sowie die herausragende Rolle, die indische Kolonialsoldaten schon im Ersten Weltkrieg für Großbritannien spielten. Im Zweiten Weltkrieg war der Subkontinent nicht nur für britische Regierung und die Alliierten insgesamt bedeutsam, sondern auch für die Achsenmächte Deutschland und Japan, die ihrerseits indische Soldaten rekrutierten. Das Buch zeichnet den Konflikt detailliert nach, der deshalb zwischen führenden Politikern der indischen Unabhängigkeitsbewegung ausgetragen wurde. Während Gandhi und Nehru jegliche Zusammenarbeit mit den faschistischen Mächten ablehnten, fand Subhas Chandra Bose, Ende der dreißiger Jahre Präsident des indischen Nationalkongresses, 1941 Exil in Nazideutschland. Dort rekrutierte er ebenso indische Rekruten wie 1943 (zurück in Asien) in den von Japan besetzten Ländern Malaya und Burma. Dass Buch beschreibt, wie Boses Indische Nationalarmee 1944 von Burma aus an der Seite japanischer Truppen in Indien einmarschierte und von Einheiten der Royal Indian Army, die unter britischem Oberkommando standen, zurück geschlagen wurde. Trotz der politischen Widersprüche innerhalb der indischen Unabhängigkeitsbewegung und der wachsenden Spannungen zwischen Muslimen und Hindus markierten die Kriegsjahre, wie der Autor nachweist, den Anfang vom Ende der britischen Kolonialherrschaft. Das Buch dokumentiert, dass Indien durch seine Einbeziehung in die britische Kriegswirtschaft auch ökonomisch einen hohen Preis für den Sieg der Alliierten zahlte. Und es erinnert daran, dass zu den indischen Opfern des Zweiten Weltkriegs nicht nur Zehntausende tote, vermisste und verwundete Soldaten gehörten, sondern auch mehr als zwei Millionen Zivilisten, die bei der kriegsbedingten Hungerkatastrophe in Bengalen ums Leben kamen.


NEGATIVBEISPIEL INDIEN

Kuhlmann, Jan: Subhas Chandra Bose und die Indienpolitik der Achsenmächte.
Berlin 2003.
Exemplarisch für die Versuche deutscher Wissenschaftler und Publizisten, die Kollaboration antikolonialer Bewegungen in Asien mit den Nazis zu rechtfertigen, ist die Dissertation von Jan Kuhlmann über «Subhas Chandra Bose und die Indienpolitik der Achsenmächte ». Der Autor behauptet zwar schon in der Einführung, den indischen Nationalisten Bose habe mit den Nazis außer der Feindschaft zu Großbritannien nichts verbunden, doch zahlreiche von ihm zitierte Dokumente beweisen das Gegenteil. Danach strebte Bose eine Synthese von Faschismus und Sozialismus an, schwärmte für die militärischen Erfolge der Wehrmacht, erhielt in seinem Berliner Exil eine Million Reichsmark für den Aufbau einer indischen
Legion, die später in die Waffen-SS eingegliedert wurde, und ließ seine Mitarbeiter den faschistischen Arbeitsdienst und die Hitlerjugend studieren, um Anregungen für die zukünftige Organisationsform eines unabhängigen Indien zu sammeln. Für den Autor Jan Kuhlmann keine Gründe, die Politik des in seiner Herkunftsprovinz Bengalen bis heute verehrten indischen Nazikollaborateurs einer kritischen Analyse zu unterziehen. Im Gegenteil: Mit der Platitüde «Der Feind meines Feindes ist mein Freund» versucht der Autor Bose als antikolonialen Freiheitskämpfer hinzustellen, ohne der Frage nachzugehen, welche «Freiheit» Indien von Nazideutschlandund Japan gewährt worden wäre.


TÜRKEI

Guttstadt, Corry: Die Türkei, die Juden und der Holocaust. 
Hamburg/Berlin 2008.
Etwa 30 000 türkische Juden lebten während der Zwischenkriegszeit in verschiedenen europäischen Ländern. Obwohl sie eine zahlenmäßig bedeutende
Gruppe bildeten und viele von ihnen Opfer des Holocaust wurden, ist ihr Schicksal bislang weitgehend unbekannt. Corry Guttstadt hat die wechselvolle Geschichte der türkischen Juden recherchiert und beschrieben. Noch gegen Ende des 19. Jahrhunderts hatten die etwa 400 000 Juden des Osmanischen Reichs weltweit eine der größten und blühendsten Gemeinden gestellt. Die Kriege zu Beginn des 20. Jahrhunderts sowie der forcierte Nationalismus trieb viele von ihnen in die Emigration. In zahlreichen europäischen Metropolen entstanden türkisch-jüdische Gemeinden, die ihre eigenen kulturellen und sozialen Strukturen hervorbrachten. Während des Nationalsozialismus wurden viele ihrer Mitglieder Opfer der Judenverfolgung, obwohl sie als Angehörige der im Krieg neutralen Türkei speziellen Bedingungen unterlagen. Das Buch dokumentiert die widersprüchliche Politik der türkischen Regierung, die zwar einerseits verfolgten deutsch-jüdischen Wissenschaftlern und Künstlern Exil gewährte, andererseits jedoch wenig unternahm, um ihre im NS-Machtbereich befindlichen jüdischen Staatsbürger zu retten. Es schließt nicht nur eine wichtige Forschungslücke, sondern erhält vor dem Hintergrund eines erstarkten Antisemitismus in der Türkei sowie der Diskussion um Holocaustgedenken in der Migrationsgesellschaft eine besondere Aktualität.


OZEANIEN

Die Militarisierung Ozeaniens nach 1945
Informationszentrum Dritte Welt, Freiburg/Südostasien Informationsstelle,
Bochum (Hg.): Die Militarisierung des Pazifiks. 
Freiburg/Bochum 1986.
Die Autoren dieses Buches präsentieren Facetten der militärischen und atomaren Ausbeutung Ozeaniens durch die europäischen Kolonialmächte Frankreich und Großbritannien sowie die Anrainer-Staaten des Pazifiks USA, Japan, die UdSSR, Australien und Neuseeland. Sie verweisen dabei auch auf die Kolonialgeschichte der Region sowie auf die Bedeutung des Ersten und Zweiten Weltkriegs für Ozeanien und beschreiben, wie die alliierten Siegermächte nach 1945 im Pazifik zum «großen Insel-Klau» ansetzten, weil sie Militärstützpunkte und Testgelände für ihre Raketen bzw. Atombomben suchten. Das informativste deutschsprachige Buch zur Nachkriegsgeschichte Ozeaniens.

Davenport, Kiana: Gesang der verlorenen Frauen.
München 2001.
Ein beeindruckender Roman, der an die Rolle Hawaiis sowie anderer Inseln Ozeaniens im Zweiten Weltkrieg erinnert und an die Verschleppung auch polynesischer Frauen in japanische Militärbordelle (von Rabaul bis Schanghai). 

Dümling, Albrecht: Die verschwundenen Musiker. Jüdische Flüchtlinge in Australien. Köln/Weimar/Wien 2011.
Als nach 1933 viele Musiker vom NS-Regime aus Deutschland und Österreich vertrieben wurden, führte die Flucht manche bis ins ferne Australien. Hier mussten sie sich eine neue Existenz aufbauen. Während es einigen wenigen gelang, die Musikkultur ihrer neuen Heimat mit zu prägen, wurden andere als "feindliche Ausländer" interniert und oft zum Wechsel des Berufs gedrängt.
Das Buch ist das Ergebnis jahrelanger Spurensuche in Australien und basiert auf zahlreichen Gesprächen mit Überlebenden und Zeitzeugen. 

SÜDAMERIKA

Goñi, Uki: Odessa – Die wahre Geschichte. Fluchthilfe für NS-Kriegsverbrecher.
Berlin/Hamburg 2006.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs flohen Tausende Nazis, darunter Kriegsverbrecher wie Eichmann, Mengele und Barbie, nach Südamerika, unterstützt vom Vatikan sowie von einer Fluchthilfeorganisationen der argentinischen Regierung unter Juan Domingo Perón. Was die deutsche Geschichtswissenschaft bislang weitgehend vernachlässigt, wenn nicht sogar verschwiegen hat, belegt der argentinische Journalist nach langjährigen Recherchen mit zahlreichen historischen Dokumenten. Ein Standardwerk.

Farías, Victor: Die Nazis in Chile.
Berlin/Wien 2002:
Am Beispiel seines Heimatlandes beschreibt der chilenische Philosoph, dass die außenpolitischen Expansionsstrategien des NS-Staates bis nach Lateinamerika reichten. Der Autor benennt auch die chilenischen Funktionäre und Diplomaten, die mit dem NS-Regime kollaborierten und nach dem Krieg hohen Nazifunktionären in Chile Unterschlupf gewährten.

Eisenbürger, Gert (Hg.): Lebenswege – 15 Biographien zwischen Europa und Lateinamerika
Hamburg 1995.
Der Sammelband enthält ein ausführliches Interview mit Gilberto Bosques sowie einen Bericht über den mexikanischen Generalkonsul in Marseille, der während des Zweiten Weltkriegs Verfolgten zur Flucht verhalf, und Portraits einigere jüdischer und antifaschistischer Flüchtlinge, die aus Europa nach Lateinamerika entkommen konnten.

Von zur Mühlen, Patrik: Fluchtziel Lateinamerika
Bonn 1988
Gesamtdarstellung der europäischen Fluchtbewegungen nach Lateinamerika während des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkriegs.

Wegner, Sonja: Zuflucht in einem fremden Laned. Exil in Uruguay 1933-1945.
Hamburg/Berlin 2013, Verlag Assoziation A
Die Länderstudie zum Exilland Uruguay, das in der Zeit von 1933-1945 etwa 10 000 deutschsprachige Emigranten, überwiegend Juden, aufnahm, schließt eine Forschungslücke. Das Buch beleuchtet die Schwierigkeiten für Verfolgte während der NS-Zeit ein Einwanderungsland zu finden und Deutschland zu verlassen, die Einwanderungsgesetze sowie die politische und wirtschaftliche Situation Uruguays in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts sowie die Versuche der Emigranten, ihren Lebensunterhalt zu verdienen und ihr soziales, religiöses und kulturelles Leben zu organisieren. Dabei wird auch die Rolle der deutschen Gesandtschaft und der deutschen Kolonie in Uruguay beleuchtet. Grundlage für das Buch sind zahlreiche Interviews mit Zeitzeugen und intensive Archivarbeit mit dem Ziel, den Opfern ihre Stimme wiederzugeben und die persönlichen Geschichten in die große Geschichte zu integrieren.

Niess, Frank: Der Koloss im Norden. 
Köln 1986
Untersuchung zur US-amerikanischen Politik gegenüber Lateinamerika im Laufe der Geschichte mit einem Kapitel über die Zeit des Zweiten Weltkriegs.

Reiner Pommerin: Das Dritte Reich und Lateinamerika
Düsseldorf 1977
Dissertation über die Politik des NS-Regimes gegenüber Lateinamerika.

Gaby Weber: ,Krauts‘ erobern die Welt – Der deutsche Imperialismus in Südamerika 
Hamburg 1981
Darstellung des deutschen Einflusses in Lateinamerika von der Zeit der Fugger über das NS-Regime und deutsche Naziflüchtlinge in der Nachkriegszeit bis zur Einmischung deutscher Konzerne in die lateinamerikanische Politik in der Gegenwart.

Liehr, Reinhard; Günther Maihold; Günter Vollmer (Hg.): Ein Institut und sein General. Wilhelm Faupel und das Ibero-Amerikanische Institut in der Zeit des Nationalsozialismus.
Frankfurt a.M. 2003
Über die Aktivitäten des Ibero-Amerikanischen Instituts in Berlin unter den Nationalsozialisten wurden nach 1945 lange lediglich Mythen und Beschwichtigungen verbreitet. Eine Gruppe von Historikern hat dessen tatsächlich Rolle während der Nazizeit untersucht und stieß dabei auch auf neue Informationen über die nationalsozialistische Politik gegenüber den iberischen und lateinamerikanischen Ländern.


ERINNERUNGSPOLITIK

Soyinka, Wole: Die Last des Erinnerns. Was Europa Afrika schuldet – und was Afrika sich selbst schuldet.
Düsseldorf 2001.
Reflexionen des nigerianischen Nobelpreisträgers für Literatur über die historische Schuld Europas für Kolonialherrschaft und Sklavenhandel in Afrika sowie die daraus folgenden Konsequenzen in Form von Entschuldigungen und entschädigungen, die sich auch auf die bislang weitgehend verdrängte Aufarbeitung der Folgen des Zweiten Weltkrieges für die Dritte Welt übertragen lassen. Eine afrikanische Perspektive zur Debatte über einen angemessenen Umgang mit der Vergangenheit. 

Cornelißen, Christoph/Klinkhammer, Lutz/Schwentker,Wolfgang: Erinnerungskulturen. Deutschland, Italien und Japan seit 1945. 
Frankfurt a.M. 2003.
Ein internationaler Vergleich über den Umgang mit der Vergangenheit in den für den Zweiten Weltkrieg verantwortlichen Staaten Deutschland, Italien und Japan.
Dabei geht es sowohl um die Haltungen staatlicher Institutionen und politischer Eliten als auch um kollektive Erinnerungen der jeweiligen Bevölkerung. In den Literaturangaben zu den einzelnen Beiträgen finden sich Hinweise auf weitere Publikationen zum Thema.