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Das war nicht unser Krieg PDF Drucken E-Mail
Folgen des Zweiten Weltkriegs auf den pazifischen Insel
Vorabdruck aus dem Buch in der Zeitschrift iz3w Rheinisches JournalistInnenbüro (Köln)

Knapp sechzig Jahre nach dem Sieg der Alliierten über das nationalsozialistische Deutschland sind viele Aspekte des Zweiten Weltkrieges gründlich untersucht und diskutiert worden, wenn auch oft mit zweifelhaften Ergebnissen. Was jedoch in der larmoyant-selbstbezüglichen deutschen Debatte fast vollständig fehlt, ist der Blick auf die ungeheueren Opfer, die der Zweite Weltkrieg von und in den Ländern der Dritten Welt gefordert hat. 

Ein Team von internationalistischen AutorInnen rund um das Rheinische JournalistInnenbüro nimmt sich der Thematik nun nach langjährigen Recherchen in einem ambitionierten Buchprojekt an. Auf knapp 500 Seiten stellt es materialreich, mit 400 Fotos illustriert und von Augenzeugenberichten aus 30 Ländern untermauert dar, dass die kriegführenden Mächten weite Teile der Dritten Welt als Schlachtfelder und Rohstofflager missbrauchten und Millionen Kolonisierte als Soldaten, Zwangsarbeiter und Zwangsprostituierte.
 
Das Buch berichtet zum Beispiel davon, dass sich in Abessinien Zehntausende Afrikaner auf beiden Seiten der Front gegenüberstanden, in Burma hunderttausend Soldaten aus West- und Südafrika gegen die Japaner kämpften und in Frankreich Inder gegen und mit (!) den Deutschen. Denn die Dritte Welt war nicht bloß Opfer in diesem Krieg. 
Antikoloniale Bewegungen im Nahen Osten (von Ägypten über Palästina bis in den Irak und den Iran) und in Asien (von Indien und Burma bis Thailand und Indonesien) sympathisierten mit den faschistischen Mächten und stellten Hunderttausende Freiwillige für deren Krieg. Die 3000 Rekruten der von den Nazis ausgehobenen „Indischen Legion“ zum Beispiel scheuten sich nicht einmal, sich 1944 in die Waffen-SS eingliedern zu lassen und an Massakern gegen die französische Zivilbevölkerung zu beteiligen. Auch davon berichtet dieses Buch. 

Ozeanien, einem zentralen, wenn auch hierzulande wenig bekannten Schauplatz des Zweiten Weltkrieges, ist darin ein gesondertes Kapitel gewidmet. Wie in anderen Weltregionen waren es dort nicht allein die Deutschen, die Großmachtpläne zu verwirklichen suchten. Japan wollte die Region in sein „großostasiatisches Reich“ eingliedern und hinterließ bei seinen Vorstößen bis an die Nordküste Australiens eine Spur der Zerstörung und zahllose Tote auf den pazifischen Inseln. (Die folgenden Leseproben stammen aus dem Ozeanien-Kapitel.) 

Das Buch „Unsere Opfer zählen nicht“ – Die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg (Hrsg.: recherche international e.V. und Rheinisches JournalistInnenbüro) erschien Anfang März 2005 im Verlag Assoziation A und kostet 29,50 €. 

Es war der 27. Dezember 1940, als vor der Küste der kleinen zentralpazifischen Insel Nauru ein fremdes Schiff auftauchte. Am Bug des Frachters leuchtete weithin sichtbar der japanische Name Manyo Maru. Am Mast wehte die Flagge der japanischen Handelsflotte. „Die Leute freuten sich, weil es schon seit einiger Zeit keinen Zucker und keinen Reis mehr gegeben hatte«, erzählt Alfie Dick, damals sechs Jahre alt, später stellvertretender Regierungschef Naurus. „Alle strömten voller Vorfreude zum Strand, um das Einlaufen des unerwarteten Frachters zu beobachten. Doch plötzlich nahm das Schiff die Verladestation und die Öltanks im Hafen unter Beschuss. Statt die Ankunft des Frachters zu feiern, flohen wir alle in den Wald, um uns zu verstecken. Wie sich herausstellte, handelte es sich um ein deutsches Kriegsschiff.“  
Das Schiff hieß in Wirklichkeit Komet und gehörte zur deutschen Kriegsmarine, die – von japanischen Stützpunkten versorgt – Ende 1940, Anfang 1941 im Stillen Ozean operierte. Sie torpedierte britische und australische Schiffe, verminte Häfen in Neuseeland und versenkte vier Frachtschiffe der Minengesellschaft, die Australien, Großbritannien und Neuseeland unter dem Namen British Phosphate Commissioners (BPC) gemeinsam auf Nauru betrieben. Diese Phosphatmine hatte ihren Betrieb 1907 aufgenommen, als die Insel noch eine deutsche Kolonie gewesen war. Mit dem Angriff auf Nauru demonstrierte das faschistische Deutschland, dass es sich mit dem Verlust seiner Kolonien in Ozeanien keineswegs abgefunden hatte. 

Hakenkreuzfahnen in der Südsee 
Nach den ersten Warnschüssen an jenem Dezembertag des Jahres 1940 befahlen die deutschen Kommandanten dem Hafenmeister von Nauru, das Gelände um die Phosphatmine innerhalb von einer Stunde zu evakuieren. Als jede Gegenwehr ausblieb, hissten die Marinesoldaten auf der Komet Hakenkreuzfahnen, dann nahmen sie den Hafen unter Beschuss, bis die Treibstofftanks der Minengesellschaft explodierten und selbst das auf Stelzen ins Meer ragende Fließband in Flammen aufging. „Die Leute von Nauru fanden es unglaublich, dass die Stahlkonstruktionen der Phosphatmine Feuer fingen“, erzählt Alfie Dick. „Wir hatten gedacht, nur Streichhölzer oder ähnliche Dinge könnten brennen. Was wir da sahen, war für uns völlig neu.“ 
Als die Verladestation der Mine in Schutt und Asche lag, liefen die Deutschen so überraschend wieder aus, wie sie gekommen waren. Danach herrschte auf Nauru gespannte Ruhe, aber die Insulaner verfolgten mit Sorge die Vorzeichen weiteren Unheils. Erst schickte die Minengesellschaft BPC Frachtschiffe, um das Phosphat, das in Nauru noch auf Halde lag, hastig abzutransportieren. Dann schaffte sie 773 chinesische Bergleute, die in der Mine gearbeitet hatten, von der Insel, und die Kolonialverwaltung evakuierte auch den Großteil der europäischen und australischen Siedler. Die knapp 2.000 Insulaner waren schon fast unter sich, als im Dezember 1941 ein erstes Aufklärungsflugzeug über Nauru auftauchte. Auf seinen Tragflächen leuchtete die rote Sonne der japanischen Flagge. Bald darauf folgten Tiefflieger, die die kleine Funkstation der Insel bombardierten und Nauru von jeder Kommunikation mit der Außenwelt abschnitten. Die japanischen Sturzbomber flogen so tief, dass ein Mädchen den Eindruck hatte, „sie liefen über Bäume“. Fast täglich kreuzten jetzt japanische Flugzeuge auf. Die Inselbewohner mieden tagsüber die Gegend um die Phosphatmine sowie die Gebäude der Kolonialverwaltung und versteckten sich in den Wäldern auf dem Hochplateau. 
Als am 21. Februar 1942 der französische Frachter Triomphant im Auftrag der australischen Regierung in Nauru einlief, hofften die Insulaner auf Hilfe. Doch das Schiff holte nur noch die letzten Europäer und Australier – bis auf sieben Personen – von der Insel sowie weitere Minenarbeiter. Da der Platz an Bord begrenzt war, mussten außer den Einheimischen auch 185 Chinesen, darunter viele Alte und Kranke, sowie 50 Bergarbeiter von anderen pazifischen Inseln zurückbleiben. Ihre Evakuierung galt nicht als dringlich, weil sie „in den Händen der Japaner kein Leid zu erwarten“ hätten. Auf keinen Fall jedoch wollten die Minenbetreiber den Japanern die Reste ihrer Förderanlagen überlassen. Zur Verblüffung der Insulaner zerstörte die Besatzung, was von der Mine nach den deutschen und japanischen Bombardements übrig geblieben war, bevor die Triomphant im Schutze der Nacht wieder in See stieß. Es war das letzte Schiff, das bis zum Kriegsende zwischen Australien und Nauru verkehrte. Drei lange Jahre blieben die Inselbewohner danach schutzlos den Japanern ausgeliefert und erlebten das Schicksal von Sklaven, als der Krieg im Südpazifik eskalierte.

Der japanische Vorstoß in den Südpazifik 
„Ich erinnere mich noch genau an den Abend des 3. September 1939“, schreibt John Guise, der spätere britische Generalgouverneur in Papua-Neuguinea. „Ich saß in Samarai mit einer großen Gruppe von Papuanern um ein Radio herum, das einem von ihnen gehörte. Verwundert, stumm und eingeschüchtert hörten wir, wie in London Mr. Chamberlain Deutschland den Krieg erklärte. Wir versuchten uns gegenseitig zu beschwichtigen, dass diese Nachricht uns in Papua in keiner Weise betreffen würde, aber schon damals beschlich uns ein Gefühl der Unruhe. Und der Zeitpunkt sollte kommen, an dem wir uns den Konsequenzen stellen mussten, die sich aus der Londoner Radiomeldung ergaben.“  
Der Zeitpunkt kam am 4. Januar 1942, als die Japaner das Städtchen Rabaul an der Ostküste der Insel New Britain (nordöstlich von Neuguinea) bombardierten, vier Wochen nach dem Angriff auf Pearl Harbor. In Rabaul residierte die australische Verwaltung, die seit dem Ersten Weltkrieg im Auftrag des Völkerbundes Neuguinea (zuvor eine deutsche Kolonie) kontrollierte. Anfang 1942 nahmen japanische Truppen das gesamte Mandatsgebiet ein und bauten in Rabaul ihren größten Stützpunkt im Südpazifik. Bis zu 90.000 Soldaten waren dort stationiert. Ihr Befehl lautete, die australische Kolonie Papua und die Hafenstadt Port Morsesby an der Südküste Neuguineas einzunehmen. Von dort wären sie nur noch wenige hundert Kilometer vom australischen Festland entfernt gewesen. Die Alliierten taten alles, um die Japaner aufzuhalten, bevor sie in Australien landen konnten. So stießen die Streitkräfte beider Seiten im Südpazifik aufeinander, und in Neuguinea trugen sie einige der schwersten Kämpfe des Zweiten Weltkrieges aus. 
Bis 1942 lebten in Papua und Neuguinea etwa 8.000 Weiße unter rund zwei Millionen Insulanern. In den folgenden drei Jahren überrollten jedoch eine Million Amerikaner, knapp 500.000 Australier und 300.000 Japaner die Insel. Damit kam fast ein ausländischer Soldat auf jeden Einheimischen. Die Japaner verschleppten auch mehr als 5.000 Inder, die sie bei ihrem Vormarsch in Singapur gefangen genommen hatten, als Zwangsarbeiter in den Südpazifik, sowie Chinesen, Indonesier und Koreaner. All diese fremden Soldaten benötigten einheimische Helfer für den Krieg auf der Insel. Allein die Japaner rekrutierten in Neuguinea Zehntausende Insulaner als Hilfs- und Bauarbeiter, Träger und Führer, Kundschafter und Soldaten. Oftmals mussten sie als „menschlicher Schutzwall“ vor den japanischen Truppen her marschieren. Manche Insulaner dienten den Japanern „freiwillig“ (angeworben mit politischen Versprechen, Geld, Kleidern, Nahrungsmitteln, Geschenken und Waffen). Die meisten jedoch wurden zum Arbeitsdienst gezwungen. Nachdem ihre Dörfer zerstört waren, blieb vielen Insulanern nur die Wahl, sich den Japanern zu beugen oder zu fliehen. 
Ein Bauer aus der Nähe des Küstenortes Finschhafen erzählt: „Wie sollten wir weiter Felder roden oder Gärten anlegen? Wir waren schließlich ständig auf der Flucht vor den Japanern. Hatten wir ein Versteck gefunden, kamen die Japaner hinter uns her. Wir mussten deshalb immer weiter ziehen und von wildem Jams leben und den Früchten, die wir im Dschungel fanden.“ Stellten die Japaner einen Flüchtigen, so drohten Prügel, Folter oder gar die Todesstrafe. Der Bauer Arthur Duna berichtet: „Alle Männer mussten sich in drei langen Reihen aufstellen. Ein Soldat feuerte dicht über ihre Köpfe, und sie erschraken sehr, wären fast in alle Richtungen auseinander gestoben. Doch der Soldat ließ ihnen durch seinen Übersetzer mitteilen, sie sollten es nicht wagen wegzulaufen, sondern hinunter zum Strand marschieren. Denn sie müssten mitkommen nach Sanada, und jeden, der zu fliehen versuche, werde er mit seinem Gewehr über den Haufen schießen.“ 
In Sanada angekommen, wurden die Männer als Lastenträger und Bauarbeiter eingesetzt. Arthur Duna musste für die Zwangsarbeiter kochen, „aber das Essen reichte nicht aus, um unsere leeren Mägen zu füllen. Alle mussten den ganzen Tag über hart arbeiten, aber es gab nur ein bisschen Reis und Fisch aus der Dose, das Ganze mit Wasser verlängert.“ Arthur Duna dachte damals: „Das ist nicht mein Krieg!“ und nutzte einen unbeobachteten Moment beim Holzsammeln, um in den dichten Dschungel zu flüchten. 

Furcht vor beiden Kriegsparteien 
Auch die Alliierten zwangen in Papua und Neuguinea Einheimische mit Waffengewalt zu Arbeitseinsätzen. Der Historiker Walingai Patrick B. Silata schildert, wie die Australier in Dörfer eindrangen, die Männer zusammentrieben und antreten ließen. Dann wählten sie die körperlich leistungsfähigsten Männer aus und ließen den Rest zurück. „Die ausgesuchten Männer hatten keine Wahl. Auf Befehl des masta mussten sie zum nächsten australischen Stützpunkt marschieren, wo ihnen die Australier ihre jeweiligen Dienste zuteilten.“ 
Im August 1942 beschlossen die australischen Militärs offiziell, „die Interessen der Eingeborenen zeitweise zu opfern“ und sie zu Kriegsdiensten zu zwingen. Zwar galt die Order, nicht mehr als ein Viertel der gesunden, einheimischen Männer als Hilfsarbeiter und Träger einzusetzen. Tatsächlich aber wurden in vielen Dörfern sämtliche Männer rekrutiert, selbst alte und schwache. „Die Dörfer litten schwer darunter, dass keine Männer da waren, um die Gärten zu bebauen, zu jagen und Häuser und Kanus in Stand zu halten“, schreibt der Historiker John Waiko von der Universität Papua-Neuguineas. „Es gab zu wenige Nahrungsmittel, der Krankenstand stieg, die Kindersterblichkeit war extrem hoch, und die Frauen waren völlig überarbeitet. Oft standen sie kurz vor dem Hungertod. Ihr Leben war geprägt von dem Schmerz über den Verlust ihrer Männer und von der erschreckenden Apathie, die sich einstellt, wenn jeder Lebenswille erlischt.“ Viele Insulaner fürchteten sich vor beiden Kriegsparteien gleichermaßen und versteckten sich in den schwer zugänglichen Bergen im Innern der Inseln. 
Nach der Einnahme von Rabaul planten die Japaner zunächst, Port Moresby vom Meer aus zu erobern. Anfang Februar 1942 flog die japanische Luftwaffe erste Bombenangriffe auf die Stadt, um Verteidigungsanlagen der Australier zu zerstören. Die australischen Truppen reagierten in heller Panik und missbrauchten die allgemeine Verwirrung, um die Geschäfte von Port Moresby zu plündern. John Waiko schreibt, in der Stadt habe „das blanke Chaos“ geherrscht, und die einheimische Bevölkerung sei entsetzt gewesen, wie schnell die angeblich so zivilisierten Weißen jegliche Achtung vor Recht und Gesetz ablegten. Hätte die japanische Kriegsmarine Port Moresby erreicht, wäre sie kaum auf nennenswerten Widerstand gestoßen. Doch als die Flotte im Mai 1942 von Rabaul Richtung Papua auslief, kreuzte die – nach dem Desaster von Pearl Harbor – eiligst nachgerüstete US-amerikanische Pazifikflotte schon in der Korallensee zwischen Neuguinea und den Salomon-Inseln und konnte die japanischen Kriegsschiffe aufhalten. 
Der Zusammenstoß der beiden mächtigsten Flotten der Welt ist als „Schlacht in der Korallensee“ in vielen Geschichtsbüchern über den Zweiten Weltkrieg ausführlich beschrieben worden. Darin sind die Typen und Namen der beteiligten Schiffe, ihre Längen, Breiten und Höhen, die Reichweite ihrer Kanonen und die Opfer auf beiden Seiten aufgelistet. Nur von den Menschen, die auf den Inseln der Korallensee lebten, ist in keinem Bericht die Rede. Dabei hat sie diese nach ihrem Meer benannte Seeschlacht anhaltend traumatisiert. Die Anthropologin Maria Lepowsky berichtet, dass die Bewohner der Insel Vanatinai sich noch Ende der siebziger Jahre genau erinnerten, wie plötzlich die Kriegsschiffe und Flugzeuge der Japaner und US-Amerikaner rund um ihr Archipel aufgetaucht waren. Damals hätten sie sich vor den „mysteriösen Flugobjekten und unbekannten Schiffen“ sehr gefürchtet. 
Nachdem die japanischen Streitkräfte die Südküste Papuas und Port Moresby nicht von der See her hatten einnehmen können, starteten sie weitere Versuche über Land. Am 19. Juli 1942 landeten 3.000 japanische Soldaten und 1.000 einheimische Träger zwischen den Dörfern Gona und Buna an der Nordküste Neuguineas. Von dort wollten sie sich durch das unwegsame Gebirge im Inselinneren bis in das fast 200 Kilometer entfernte Port Moresby an der Südküste der Insel marschieren. Im Dschungel der Berge gelang es der Hälfte der Zwangsarbeiter zu fliehen. Dorfbewohner versteckten sie und pflegten die Kranken gesund. Einige von ihnen kämpften später auf Seiten der Alliierten. 

Ortskundige Kriegshelfer 
Die japanischen Soldaten waren brutale Besatzer: „Sie beschlagnahmten die Ernten in unseren Gärten, schlachteten unser gesamtes Vieh und verspeisten all unsere Schweine. Selbst unsere Kirche entweihten sie mit Fäkalien.“ Die Japaner zwangen die einheimischen Männer, ihnen als Pfadfinder und Träger auf dem Weg ins Gebirge zu helfen. Auch die anderen Kriegsparteien waren in dem schwer zugänglichen tropischen Gebirge auf ortskundige Helfer angewiesen. Die Insulaner mussten das Gelände auskundschaften, Dschungelpfade roden und Behelfsbrücken bauen, Lager aufschlagen, Schuppen zusammenzimmern und Schützengräben ausheben, Schießstände anlegen und Bunker bauen. Und sie schleppten alles, was die Fremden für ihren Krieg brauchten, über steile Pfade ins Gebirge. Bei ihrem Abstieg balancierten sie Verwundete auf Bambusbahren in die Basislager und Feldhospitale im Tal. 
Japaner und Alliierte machten sich in Papua und Neuguinea zahlreicher Verbrechen schuldig: Sie plünderten Häuser und Hütten, brannten Dörfer nieder und nahmen ihren Bewohnern Vorräte und Vieh, sie setzten Prügelstrafen und Folter ein, vergewaltigten einheimische Frauen und misshandelten deren Männer. Von beiden Kriegsparteien wurden Insulaner, die der Kollaboration verdächtigt wurden, standrechtlich erschossen. Die Grausamkeit der japanischen Streitkräfte war sprichwörtlich. Aber die Allliierten standen ihnen kaum nach…  

Das Buch „Die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg“ ist das Ergebnis eines kollektiven Arbeitsprozesses im Rheinischen JournalistInnenbüro in Köln.